Nun ist es also passiert. In den Niederlanden gab der Ölmulti Shell bekannt, mit der ebenfalls niederländischen Firma NewMotion einen der großen Anbieter von Ladestationen übernommen zu haben. NewMotion sitzt in Amsterdam und zählt über 30.000 Ladestationen zu Hause oder in Unternehmen zu seinem Portfolio. Zusätzlich hat NewMotion Zugriff auf über 50.000 öffentliche Ladesäulen in 25 Ländern, 20 Prozent davon allein in Deutschland.

100.000 Kunden sind im Besitz einer Kundenkarte von NewMotion. Hiermit lassen sich diverse Dienstleistungen nutzen, wie etwa Einspeisungen in das Stromnetz und ähnliche Services mitverfolgen. So kann der Karteninhaber zum Beispiel eine automatische Rückerstattung der Stromkosten über ein sogenanntes Eigentümerkonto konfigurieren. Der fällige Betrag wird monatlich von dem mit der Ladekarte verknüpften Bankkonto abgezogen – so geht Strommanagement heute.

In Deutschland beinahe 40.000 Kundenkarten von NewMotion

Interessantes Detail hierbei: Deutschland zählt mit beinahe 40.000 Karteninhabern als Spitzenreiter unter den Nutzern der Kundenkarte. Firmenkunden von Shell und Total können bereits auf die Ladeinfrastruktur von NewMotion im Rahmen einer Kooperation zugreifen.

Die Niederländer haben es in den vergangenen Jahren verstanden, öffentlichkeitswirksam die Ladestationen unterzubringen. Im Juli diesen Jahres wurde beispielsweise ein Gemeinschaftsprojekt des FC St. Pauli und des Stromanbieters LichtBlick gelauncht. Beide setzen auf Ladestationen von NewMotion. Am kultigen Millerntor-Stadion gibt’s „KiezStrom“, nachhaltiger Ökostrom aus erneuerbaren Quellen.

Bislang zögerliches Investment in Ladeinfrastruktur

Und während die Öl- und Gaskonzerne wie Shell, Total, Aral/BP oder Exxon Mobil bisher nur zögerlich in den Aufbau der Infrastruktur für Elektroautos investieren, so scheint mit diesem Deal jetzt Bewegung in den Markt zu kommen. Zumal die Fahrer von Elektrofahrzeugen bislang nicht unbedingt beim Stromladen auf das Netz der Benzin- und Dieseltankstellen angewiesen waren.

Geladen wird bislang in der Nacht in der heimischen Garage, tagsüber beim Arbeitgeber und zwischendurch bei Supermärkten, Discountern, in Parkhäusern oder Hotels. Von daher sind es bislang auch die Energiekonzerne wie innogy oder EnBW, die sich neben den Fahrzeugherstellern in Sachen Ladestationen engagierten. Das scheint sich jetzt zu ändern. NewMotion, so ist es angekündigt, wird als 100-prozentige Shell-Tochter das Ladegeschäft eigenständig betreiben.

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