Auch in großen Konzernen wie Porsche, werden Meinungen gegenüber der Konkurrenz oft unterschiedlich geteilt. Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück übte in einem Interview mit dem Business Insider harsche Kritik an Tesla, wo hingegen Michael Steiner, Mitglied des Vorstands für Forschung und Entwicklung bei Porsche, zugibt, dass  es Freude macht „wie schnell sich der genannte Wettbewerber entwickelt, auch wie anregend das für die Industrie ist.“ Besonders interessant ist; Wie plant der bekannteste dt. Sportwagen Hersteller die Zukunft seiner Automobile?

Porsche –Leitsatz „Driving technologies

Gegenüber dem IT Blog Golem spricht Michael Steiner, Mitglied des Vorstands für Forschung und Entwicklung bei Porsche, über die Zukunft von Porsche. Wie sieht eine Marke, die mit ihren Motoren, dem Sound & dem Leitsatz „Driving technologies“ Emotionen verbreitet, die Elektromobilität? Wie sind die Technologien vereinbar?

Als Sportwagen Hersteller ist der Druck der Elektromobilität immens. Viele Fans verbinden mit Porsche und den anderen Sportwagen Herstellern Motoren Sound, Emotionen beim Gangwechseln, wunderschöne Geräusche aus den Endrohren im Tunnel, langsam fahren, runter schalten und Gas geben. Das alles hat man bei einem Elektroauto nicht, kein merkbarer Schaltvorgang der einen Ruck durchs Auto gibt, keinen Motorensound, dafür das anziehende Geräusch der Elektromotoren, die ein anderes Gefühl von Kraft vermitteln.

Wie Porsche das Sportwagen Gefühl in Zukunft vermitteln will, ist spannend: „Wir haben gelernt, dass die Dynamik des Motors, die Schaltvorgänge, all diese Dinge, sich akustisch wahrnehmen lassen. (…) Elektromaschinen, Getriebe machen Geräusche, und es gibt einen Gestaltungsspielraum, um diese Geräusche zu beeinflussen. Wir werden versuchen, das in eine Richtung zu lenken, die wir als markentypisch und auch als emotional und angenehm betrachten.“

Aber auch andere Dinge gehören zum Fahrspaß: „dass das Fahrzeug präzise auf Lenkbefehle und Bremskommandos gehorcht, dass es sich exakt so verhält, wie man sich das wünscht. Das soll ein Elektroauto von Porsche auch tun.“

Produktstrategie – drei Säulen

Die Produktstrategie will der Hersteller „auf drei Säulen“ aufbauen.

  1. „Die erste sind traditionelle Verbrennungsmotoren, hochdrehende, sehr emotionale Saug- und Turbo-Motoren.
  2. Die zweite Säule stellen unsere neuen Plug-in-Hybridantriebe dar, die mehr Fahrspaß, mehr Boost-Power und eine größere rein elektrische Reichweite bieten.
  3. Und das dritte große Standbein wird die Elektromobilität sein“

Differenzierungsmerkmal – Motor

„Wir wollen, dass auch unsere Elektrofahrzeuge künftig typische Porsche sind, die nicht nur einmal, sondern mehrfach schnell von 0 auf 100 km/h beschleunigen und auch auf einer Rundstrecke eine angemessene Performance zeigen.“ An den E-Motor werden die gleichen Anforderungen wie an einen Verbrenner gestellt. Porsche folgt seinem Premium Gedanken: „Wir verwenden beim Mission E permanent erregte Motoren. Die sind etwas teurer in der Herstellung, aber bieten Potenzial in Bezug auf ihre Größe, auf ihr Gewicht und auf das Dauerleistungsvermögen“

„Unsere Elektrofahrzeuge sollen typische Porsche sein“

Typisch Porsche? Mir fällt da direkt ein, dass man den Schlüssel links am Lenkrad einstecken muss, auch noch in den heutigen Zeit von Keyless Go. Herr Steiner zu diesem Thema:  „Bei uns sind es das Porsche-typische Fahrwerk, die Fahrdynamik, das Design, aber auch die Ergonomie: Wie sitze ich im Auto, wie bediene ich das Auto? … Wir wollen eine typische Porsche-Bedienungsphilosophie – auch im Zeitalter der Elektromobilität.“

Zukunft Elektromobilität – Aber wann?

Dass die Elektromobilität die Zukunft darstellt, da ist sich der Betriebsratschef Uwe Hück und der FE Vorstand Michael Steiner sicher. Die Aussagen von Herr Hück „Elektromobilität macht mir keine Angst, es ist die Zukunft“ und „auf jeden Fall eine Zukunft des Autos“ von Herr Steiner sind eindeutig.

Jedoch dauert diese Entwicklung bei Porsche auch noch seine Zeit und das ist zum Teil beabsichtigt. Man sei „im Terminplan, so dass wir Ende dieses Jahrzehnts solche Autos auf der Straße sehen werden“ und weiterhin ist man „überzeugt, dass es noch auf Jahre oder sogar Jahrzehnte mehrere Technologien geben wird, die miteinander konkurrieren“. Das drei Säulen Konzept scheint also ein machbarer Plan, der die Zukunft des Herstellers absichert und Käufer garantiert.

Autonomes Fahren

Der andere zukunftsweisende Bereich in der Automobilindustrie sind autonome Fahrlevel. Bisher vom Gesetz eingeschränkt, wird sich in diesem Bereich viel in der nahen Zukunft tun. „Neben den Assistenzsystemen und den Schritten in Richtung autonomes Fahren werden Software und künstliche Intelligenz eine große Rolle spielen“, so Steiner. Auch hier ist Porsche also am Zahn der Zeit. Auch Consumer Anwendungen (Shopping & Entertainment) könnten bei höheren autonomen Fahr-Leveln kommen.

Hacking von Fahrzeugen

Die Reputation des vernetzten Autos ging in den vergangen Monaten oft durch die Presse und litt nachhaltig. Zahlreiche erfolgreiche Fahrzeug-Hacks wurden durchgeführt und zeigen auf, dass die IT-Security-Maßnahmen der Hersteller nicht ausreichend sind. Solche Nachrichten sind an Porsche nicht spurlos vorbei gegangen.

„Wir müssen uns mit Software-Entwicklungsprozessen beschäftigen. Wir müssen uns vor allem damit auseinandersetzen, wie solche Systeme sicher betrieben werden können. Mit einer Datenschnittstelle gibt es eine zusätzliche Angriffsmöglichkeit auf das Fahrzeug“. Diese „künftigen intelligenten Funktionen und Softwarefunktionen“ müssen Datensicher sein und werden „noch einmal deutlich an Bedeutung gewinnen“.

Tesla ruft unterschiedliche Meinungen hervor

Steiner rechnet dem Start-up aus Kalifornien den Fortschritt der Elektromobilität hoch an: „Für uns, die wir den Wettbewerb sehr genau beobachten, war das inspirierend“. Es macht „Freude zuzusehen“, wie schnell sich Tesla entwickle, und „wie anregend das für die Industrie ist“.

Der Porsche Betriebsratschef Hück kennt hingegen „keinen anständigen Kaufmann, der ein Unternehmen wie Tesla aufbauen würde“. Das Finanzierungsmodell sei „auf Schulden aufgebaut“ und damit „unmoralisch, weil es auf Pump aufgebaut wurde“. Harsche Kritik am Pionier. Und es geht noch weiter. Der Porsche-Betriebsratschef geht auf die Arbeitsbedingungen ein und meint, das System würde dazu führen, dass sie die Kunden „gar nicht bedienen können und Mitarbeitern (haben), die sie auspressen“. „Elon Musk weiß wahrscheinlich ganz genau, dass Tesla über kurz oder lang aufgekauft wird, ob von Google oder Apple“.

Zwar sei Tesla „alles andere als ein Vorbild“, aber dass der Innovator aus Kaliforniern im Gegensatz zu den Deutschen die eMobilität nicht verschlafen hat steht fest. Bei unserer deutschen Infrastruktur haben wir „gar nichts“ zu bieten und deshalb investiert Porsche auch in eine eigene Infrastruktur. Der Aufbau müsse eigentlich „eine Angelegenheit des Staates sein“ und dürfe „nicht privatisiert werden“ „Da der Staat aber nichts macht, bleibt uns aktuell nichts anderes übrig, als es selbst zu machen“.

Fazit

Porsche baut die Zukunft der Marke auf drei stabilen Säulen auf. Das Problem, dass „ab dem Zeitpunkt, ab dem öffentlich darüber diskutiert wird, dass bestimmte Dinge möglicherweise bald nicht mehr erlaubt oder gewünscht sind“ sich das Kaufverhalten ändert, bezieht der Hersteller in seine Strategie ein.  Die Attraktivität, die das elektrische Fahren mit sich bringt hat Porsche erkannt:  „Das ist cool, das ist sehr dynamisch, die Beschleunigung aus dem Stand ist faszinierend.“

Die harsche Kritik von Betriebsratchef Hück an Tesla ist punktuell gerechtfertigt, aber als Startup hat man manchmal keine andere Möglichkeit Innovationsführer zu werden und zu bleiben. Porsche hat in diesem Punkt andere Möglichkeiten. Kann mit der gegebenen Liquidität das drei Säulen Konzept langsam und sicher aufbauen und geht dabei ein geringeres Risiko ein. Ich bin gespannt auf die Markteinführung des Mission E und die kommenden Modelle mit Hybrid und reinem Elektroantrieb.

 

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