Berlin entwickelt sich so nach und nach zum Eldorado für Sharing Angebote in Sachen Mobilität. In der Hauptstadt kann man Fahrräder teilen, die kleinen Flitzer von Car2Go und DriveNow nutzen oder eben die Elektroroller von Emmy und COUP kurzfristig mieten. Wichtig bei all diesen Angeboten ist, dass der Anteil an elektrisch betriebenen Fahrzeugen stets zunimmt.

Am vergangenen Wochenende habe ich gemeinsam mit meiner Frau die Elektroroller von COUP getestet. Das Thermometer zeigte für Ende Oktober geradezu beruhigende 17° Celsius an. Warum also nicht für ein paar Stunden die Stadt mit einem eRoller erkunden.

Der COUP von Bosch in der Hauptstadt

COUP, das ist eine Gründung von Bosch aus 2016 und gilt in Berlin als der Herausforderer des heimischen Roller Sharing Startups Emmy (früher eMio). Anfang 2017 erweiterte COUP seine eScooter-Flotte von 200 auf 1.000 Stück. Inzwischen sind die kleinen grauen Flitzer mit dem grünen Erkennungsstreifen aus dem Stadtbild kaum noch wegzudenken. Hersteller der COUP eRoller ist Gogoro aus Taiwan. Das Unternehmen erhielt jüngst eine Kapitalspritze von 300 Millionen US Dollar. In Europa sollen damit weitere Standorte ausgebaut werden, in Asien expandiert man im Wettbewerb zu den chinesischen Scooterproduzenten.

Neben der Flottenerweiterung wurde in Berlin das Geschäftsgebiet vergrößert. COUP möchte mit seinem Angebot „Mobilität im urbanen Umfeld flächendeckend einfacher“ machen. Und damit nicht nur die 20-30jährigen ansprechen. Denn diese Zielgruppe teilt heutzutage was das Zeug hält.

Sie stehen an den frequentierten Orten

Aufwendig ist der Services der eScooter. Sie werden an besonders frequentierte Orte gefahren. Um die eScooter rund um die Uhr verfügbar zu haben, werden die Batterien zwischendurch getauscht. Gogoro hat diesen Batterieaustausch als Markenzeichen in seiner asiatischen Heimat. Und so mausert sich das Bosch Startup inzwischen zu einem echten Mobilitätsanbieter, der bis Ende des Jahres auf 80 Mitarbeiter anwachsen möchte.

Vor dem eigentlichen Losfahren wird die App herunter geladen. Hierbei erfolgt die Registrierung dank integrierter Foto-Erfassung schnell und intuitiv. Führerschein, Personalausweis kurz erfasst, selbst mein alter, großer Plastikausweis wurde akzeptiert. Eine Hürde stellt jedoch der deutsche Wohnsitz dar. Ohne diesen hat man keine Chance.  Hiermit gehen all die Touristen als Kunden verloren, die mit der Reichweite eines COUP eRollers die Stadt noch besser erkunden könnten. Ob das versicherungstechnische Gründe hat?

Mein erstes Date mit dem COUP

Neben iOS gibt es seit Mitte 2017 die Android Version der COUP App. Auf jener gilt es vor dem Fahrtantritt die Verfügbarkeit der COUP Scooter zu erforschen. Und das macht Spaß, denn auf der Karte von Berlin sind die 1.000 Stück gut zu erkennen. Die eScooter können an jeder Stelle des gekennzeichneten Gebietes abgestellt werden. Selbst an einem Samstagmorgen finde ich in Berlin Mitte sechs Scooter in fußläufiger Entfernung geparkt. Per Klick reserviert, habe ich dann 15 Minuten Zeit, um mein Gefährt zu erreichen.

Einmal erreicht, empfängt mich mein eScooter mit freundlichem Blinzeln, zumindest interpretiere ich das Blinken so. Der Sitz wird auf Knopfdruck hochgeklappt, hier befindet sich ein Helm, robust – one size fits all. Für die Frisur Fetischisten gibt es Plastikhauben, doch platt sind die Haare nach der Fahrt ja allemal. Motorradfahrer kennen das Thema. Praktisch ist das Visier für die blendende Sonne, auch wenn ich das erst am späteren Nachmittag benötigen werde.

Akustisch kaum merklich erfolgt das Anspringen nach dem Druck auf die GO Taste. Der Blick auf das horizontale Display zeigt den Batterie-Ladezustand an. Die dortigen 88% stimmen mit dem avisierten Ladestand in meiner App überein.

Per Elektro-Scooter durch die Stadt – too easy!

Und dann geht es auch schon los. Locker am Gasgriff gedreht und ziemlich direkt reagiert der schnurrende Elektromotor. Die Torstraße in Mitte hinab in Richtung Alexanderplatz. Den Turm locker umrundet und ab geht es mit 50 km/h in Richtung Friedrichshain. COUP verspricht 45km/h, diese Grenze übertreffen am heutigen Samstag alle meine genutzten Modelle.

Berlin am Samstagmorgen auf einem COUP ohne das übliche Verkehrschaos. Das ist urbane Freiheit und Mobilität mit gutem Gewissen. Der frische Herbstwind weht uns um die Nase. Das Kopfsteinpflaster stört trotz kleiner Bereifung kaum. Die Blicke der Passanten bestätigen mich darin, dass ein solcher Elektroroller hier in Berlin dann doch noch nicht überall bekannt ist.

Vor dem Café am Boxhagener Platz parken wir am Rand des Bürgersteigs. Keine ätzende Parkplatzsuche, was an einem Markttag wie diesem, eh aussichtslos wäre. Den Lenker nach links geklappt, den Helm verstaut und die Tour abgeschlossen. Und für alle preisbewussten Menschen das Beste zum Schluss der Tour. Die erste halbe Stunde kostet ganze drei Euro – in Berlin – danach eine Abrechnung alle 10 Minuten oder ein Tagessatz all inclusive. Der Hammer.

Großartig dann auch meine Erfahrung mit dem COUP Team an diesem Samstag Abend. Wie fast überall in Deutschland stürmte es heftig, denn Tief Herwart fegte über Berlin. Und da kam auch schon die fürsorgliche Warnung des COUP Teams: „… deshalb schalten wir den Service um 23 Uhr aufgrund des Sturmes in Berlin für eine begrenzte Zeit ab. Wenn der Sturm vorbei ist, könnt ihr COUP wie gewohnt nutzen – für den Fall, dass unsere COUPs nicht weggeflogen sind.“ 😉 Das nenne ich gute und effektive Kundenkommunikation!

 

Was gilt es zu verbessern?

Da gibt es einige Kleinigkeiten, die uns aufgefallen sind. Generell fehlt eine Navigationshilfe im Display. Gerade wenn man als Tourist die Stadt neu entdeckt, so stört der stete Griff in die Hosentasche zum Mobiltelefon. Zumindest eine Halterung für mein Mobiltelefon wäre schön und würde da schon helfen.

Der Gogoro ist für eine Person gebaut, daher ist auch nur ein einzelner Helm unter dem Sitz untergebracht. Schön wäre ein erweitertes Angebot mit einem Zweisitzer (und dann zwei Helmen). Für die gemeinsame Fahrt mit Kind und Kegel kann man den COUP leider daher nicht nutzen. Hierfür bleibt dann der Wechsel auf einen Emmy, der als Sharing Anbieter mit größerer Maschine eben für zwei Personen Platz bietet.

Unklar ist die Nutzung für internationale Fahrer. Kann mein australischer Bekannter hier in Berlin einen COUP leihen, ohne eben in Deutschland einen Wohnsitz zu haben? Für die spontane Stadtführung für Besucher aus dem Ausland wäre das großartig.

Und daran anschließend gleich die Frage: kann ich denn in Paris überhaupt mit den COUP Rollern fahren? Bosch bietet in der französischen Hauptstadt inzwischen 600 eScooter zum Sharing an, lediglich der Einstiegspreis ist mit 4 Euro für die ersten 30 Minuten um einen Euro teurer. Ansonsten gelten dieselben Bedingungen.

Ich denke, hier hat das Bosch Startup noch Aufklärungsbedarf. Meiner Freude am vergangenen Samstag in Berlin tat das allerdings keinen Abbruch. Keine Frage, am nächsten Sonnentag im November sieht man mich wieder auf einem Elektroroller in Berlin. So geht smarte Mobilität heute.

Die Daten des COUP Elektroscooters nochmals im Überblick:

  • 1.000 Elektroscooter im Berliner Stadtgebiet
  • 30 Minuten kosten 3 Euro, der Strom ist inklusive
  • Helm befindet sich unter der Sitzbank.
  • Die Batterien werden von COUP geladen und getauscht.
  • Ohne Motorradführerschein bis zu 45 Km/h schnell
  • Fahren darf jeder ab 21 Jahren mit einem gültigen Führerschein der Klasse B oder einer internationalen Fahrerlaubnis.

Update vom 31. Oktober – das Serviceteam von COUP hat sich bei uns gemeldet und uns folgende Antworten auf unsere Fragen mitgeteilt:

„Hallo Michael: ich würde gerne ein paar Fragen beantworten, die du in deinem Artikel stellst.

1. Navigation: Die Navigation ist auch mit Kopfhörern möglich. Also einfach Google Maps einstellen, Kopfhörer rein und los geht’s. Das ist legal und auch mit der Polizei abgesprochen. Zudem gibt es auch versicherungsseitig keine Bedenken.
2. Der Gogoro ist auch für zwei Personen angedacht mit einem Maximalgewicht von bis zu 160 kg. Und ein zweiter Helm kann einfach mitgebracht werden. 🙂
3. Alle Bürger der EU-Mitgliedsstaaten dürfen COUP nutzen – sie benötigen keinen deutschen Wohnsitz. Wir arbeiten daran, dass wir in Zukunft auch andere Länder zulassen.
4. Es ist kein Problem mit dem deutschen COUP Account einen eScooter in Paris zu leihen 🙂 Das wird dir auch gleich in der App angezeigt.“

Na dann sind ja die Hauptfragen beantwortet. So geht Kundenservice im Jahre 2017.

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