Mein eMobilitätsjahr 2017: Deutsche Hersteller wachen auf

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Jahresrückblick Quelle: pixabay.com
Jahresrückblick Quelle: pixabay.com

Mein persönliches eMobilitätsjahr 2017 begann eigentlich erst im Februar. Mit dem Umzug nach Berlin entdeckte ich an jeder Straßenecke kleine eScooter und wurde damit direkt auf die eMobilität aufmerksam. Ich entschied mich für eine Registrierung bei Coup. Dabei war ausschlaggebend, dass in der Stadt deutlich mehr Coup-Scooter standen, als Emmys, zumindest in meiner persönlichen Wahrnehmung. Schnell am Handy den nächsten Scooter reserviert, per App aufgeschlossen und im Feierabendverkehr am Berliner Innenstadtverkehr vorbeigefahren. Einfacher kann Scooter-Sharing kaum sein.

eMobilität in Stuttgart – keine Sharingoption

Mit Beginn des Masterstudiums im Oktober hatte ich mich bereits so an die schnelle und unkomplizierte Möglichkeit mobil zu sein gewöhnt, dass ich mich zunächst wieder darauf einstellen musste, ohne Sharing zurechtzukommen: Car2Go und die Stella-eScooter der Stuttgarter Stadtwerke helfen mir leider nicht weiter, da ich außerhalb der Geschäftsgebiete wohne.

Durch das Masterstudium an der HdM beschäftige ich mich nun intensiver mit eMobilität. Bereits zuvor habe ich mich mit dem Mobilitätswandel befasst, allerdings meist aus politischer Perspektive. Dabei war immer auffällig, dass die deutsche Politik, sowohl auf Bundes- und Landesebene, als auch in den Kommunen zwar häufig den eMobilitätswandel predigt, aber selbst wenige Anreize setzt, diesen schnell zu forcieren.

Deutsche Hersteller im Fokus

Auch die deutschen Hersteller haben meines Erachtens noch großen Nachholbedarf, was eMobilität angeht. Dennoch habe ich 2017 auch festgestellt, dass sich mittlerweile einiges tut. Sei es VW, die mit massiven Investitionen in die Entwicklung im deutschen und chinesischen Markt mittelfristig weltweiter eMobilitäts-Marktführer werden wollen, IONITY oder auch BMW mit dem neuen Forschungsprojekt „Fast Charge“, das die Ladezeiten massiv verkürzen soll. Dennoch war ein wirklich großer Fortschritt nicht zu finden. Zudem befinden sich viele Projekte nun erst am Beginn, weshalb ein Abschluss vor 2019 bzw. 2020 nicht realistisch erscheint. Somit wird wohl auch im kommenden Jahr nichts Bahnbrechendes aus Deutschland zu erwarten sein.

Persönliches Fazit: Meilenstein, aber noch kein Durchbruch

Das Jahr 2017 war für die eMobilität für Deutschland sicher bedeutend. Die Presseberichterstattung zu den „Diesel-Gipfeln“ und zur „Umweltprämie“ sowie zur Festlegung auf ein Zulassungsverbot für Verbrennungsmotoren, thematisierte die Notwendigkeit des Mobilitätswandels intensiver als in vergangenen Jahren.

Auch der Ausbau der Ladeinfrastruktur nimmt – sehr langsam – aber immerhin, Formen an. Zum Jahresende stehen mehr als 11.000 öffentliche Ladesäulen in Deutschland. Dabei liegt der Fokus verständlicherweise auf den Großstädten, allerdings zeigen die neusten Zahlen von NewMotion, dass auch ländliche Gegenden nicht gänzlich abgehängt werden.

Von einem großen Durchbruch kann man wohl auch in diesem Jahr trotz des Fortschritts nicht sprechen. Zu behäbig sind noch manche Vorstöße der deutschen Hersteller, verglichen mit den chinesischen und amerikanischen Innovationstreibern. Dennoch würde ich 2017 als kleinen Meilenstein für den Wandel in Deutschland bezeichnen. Viele Hersteller, die Politik und die Gesellschaft erkennen, dass der Automobilstandort Deutschland nur mit Innovationen im eMobilitätsbereich langfristig zukunftsfähig ist.

Jetzt gilt es für die Hersteller, diesen Wandel auch 2018 entschlossen voranzutreiben, um international den Anschluss zu halten und die Lücke zu schließen. Ob dies allerdings im notwendigen Maße geschieht, wage ich zumindest für das kommende Jahr zu bezweifeln.

Gutist jedoch, dass man langsam auch in der Automobilindustrie spürt, international  langfristig abgehängt zu werden. Dies fördert hoffentlich neue Innovationen und Investitionen, stärkt bei guter und schneller Umsetzung langfristig die deutsche Wettbewerbsfähigkeit und lässt für die kommenden Jahre auf viele spannende Entwicklungen hoffen.

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein erfolgreiches Jahr 2018.

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