Leipzig wird fit für die Herausforderungen der Mobilität

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Mobilitätsstadt Leipzig

Mein jüngster Besuch in der Messestadt Leipzig offenbarte die ganz typischen Herausforderungen von Städten in Europa. Die Sachsenmetropole hat sich in den letzten 5-10 Jahren zu einer pulsierenden Großstadt entwickelt. Knapp 700.000 Einwohner wohnen bereits im Stadtgebiet. Die Tendenz ist stark steigend. Zusätzlich strömen täglich viele Tausend Pendler in die Stadt. Mobilität ist hier demnach nicht nur ein wirtschaftlicher sondern auch ein sozialer Faktor.

Städteranking ‚Digital mobil in Deutschlands Städten’

Die Studie ‚Digital mobil in Deutschlands Städten’ von PLR und Price Waterhouse, Coopers untersuchte im Frühjahr, wie deutsche Großstädte an mobile Herausforderungen herangehen. Leipzig steht hier unter den Top 25 Großstädten in Deutschland auf dem ersten Platz. Wir haben uns daher die Aktivitäten der Leipziger in der jüngsten Zeit näher angesehen. Und wir stellen fest, dass hier integrierte Stadtentwicklung in Sachen Mobilität sehr Ernst genommen wird.

Eine App für das gesamte Mobilitätsangebot

Der Öffentliche Nahverkehr wird in Leipzig unter dem Dach der Leipziger Verkehrsbetriebe koordiniert. Hier stellte man frühzeitig die Weichen auf Digitalisierung. Denn der Wunsch ist, dass sich Leipzigs Bewohner in den kommenden Jahren möglichst mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Stadt bewegen. Und das muss einfach und möglichst digital geschehen.

Die neuen Mobilitäts-Angebote sind per Smartphone in einer App nutzbar. Die Tickets für Bus und Bahn, Reisen in andere Städte, das Nutzen von Leihfahrrädern, und das Buchen von Carsharing Angeboten in der Stadt. Und dieses Carsharing Angebot soll zukünftig überregional genutzt werden können. Somit wird Anschluss geschaffen für die vielen Pendler aus den umliegenden Gemeinden.

Das Wachstum der Stadt kommt den Mobilitätsmachern aber auch zugute. Denn es sind vor allem viele junge Bewohner,  die es nach Leipzig zieht. Und die erreicht man eben relativ einfach mit einem integrierten App-Angebot. Nachhaltig und preiswert mobil sein, das wollen die jungen Leipziger. Als Universitätsstadt und aufsteigendes Startup Zentrum gilt auch hier das Motto ‚nutzen statt besitzen’ für die Verkehrsmittel.

Leipzig wird Fahrradstadt

Ein kostengünstiges und damit gerade bei Studenten beliebtes Fortbewegungsmittel ist das Fahrrad. Heute werden laut ADFC in Leipzig mehr als 17% der Strecken mit dem Fahrrad zurückgelegt. Und die Stadt hat exzellente Voraussetzungen für die Fahrradnutzung. Das Stadtgebiet ist recht kompakt, flach und klimatisch weitaus angenehmer ist als Kopenhagen oder Amsterdam. Kein Wunder dass die Stadtoberen einen Zielwert von 25% Radanteil anstreben. Hier kommen dann neben der Beschneidung von Fahrspuren auch die Überlegungen zur Versorgung der letzten ‚Meile’ mit Elektro-Nutz-Fahrrädern zum Einsatz.

In Sachen Bikesharing haben sich die Macher einen besonderen Bonus für die Nutzer der Leipzig mobil App ausgedacht. Die Leipzig mobil Kunden erhalten jeden Monat zehn Stunden Bikesharing inklusive, abrechenbar in 20 Zeiteinheiten à 30 Minuten. Das monatliche Kontingent kann dabei flexibel genutzt werden.

Wie steht es um die Nutzung von Elektroautos?

Nun sagen wir es einmal so: da besteht definitiv Luft nach oben. Derzeit sind ca. 200 Elektroautos in Leipzig angemeldet. Über 160 Ladepunkte gibt es in der Stadt aktuell, die privaten Ladestationen in den Garagen und Carports dabei nicht mitgezählt. Das ist eine geradezu optimale Versorgung im Vergleich zu anderen Städten. Vor wenigen Tagen berichtete ja das Vorzeigeland für Elektromobilität Norwegen von den Problemen fehlender Ladestationen aufgrund des starken Wachstums der Anzahl an Elektroautos.

So geht man im Moment in Leipzig davon aus, dass die aktuelle Zahl an Ladepunkten für die nächsten ein bis zwei Jahre ausreicht.  „Von einer Vollauslastung der Stationen sind wir noch weit entfernt“, so der Oberbürgermeister Burkhard Jung. Mein Blick auf die gut ausgezeichneten Ladeplätze offenbart, dass diese Annahme zumindest heute noch stimmt.

BMW investiert 200 Millionen Euro

Doch Leipzig hat ein weiteres Ass im Ärmel, wenn es um die Förderung der Elektromobilität geht. Um Feinstaub- und Stickoxid- und Lärmprobleme zu bekämpfen, setzt die Stadt auf seine Unternehmen.

Ein Mittelstandsförderprogramm für Unternehmen wurde aufgesetzt. Es dient der Unterstützung der Einführung der Elektromobilität. In den ersten 12 Monaten seit Start wurden 25 Unternehmen gefördert. Die Bedingungen sind möglichst einfach gehalten. Es werden Unternehmen über 3 Monate gefördert, welche Elektromobilität im eigenen Fuhrpark testen möchten. Die Förderquote beträgt 70%, maximal 1.050€ werden pro Quartal ausgezahlt. Typische teilnehmende Unternehmen aus dem Mittelstand sind Pflegedienste, Handwerker oder Catering Unternehmen. Also die Unternehmen, deren Radius im Stadtgebiet und deren Tagesstrecken unter 100 Kilometer liegen. Passt perfekt.

Auch die großen Unternehmen stehen im Mobilitäts-Fokus

Die Stadtwerke Leipzig oder die Leipziger Verkehrsbetriebe sollen helfen, Leipzig zu einer deutschen Modellstadt für Elektromobilität zu machen. Es wurde ein Cluster Elektromobilität eingerichtet, der neben den beiden städtischen Riesen große Unternehmen wie BMW und Porsche, aber auch Verbände, Forschungseinrichtungen und Hochschulen beinhaltet. Es geht um die Zusammenarbeit, um das gegenseitige Lernen.

Gerade die beiden großen Fahrzeughersteller aus München (BMW) und Stuttgart (Porsche) investieren an ihren Leipziger Standorten kräftig. BMW investiert nach eigenen Angaben 200 Millionen Euro in sein Leipziger Werk. Hier sollen Karosseriebau und Montage umgestellt werden. Am Leipziger BMW-Standort werden  sieben Modelle gebaut, darunter eben die heutigen Elektro- und Hybridmodelle i3 und i8.

Und wenn es um Zukunft geht, dann setzen die Stadtoberen auf die Zusammenarbeit mit  den Unternehmen. Die Firma Bosch wird bereits in 2018 Testfahrten mit autonom fahrenden Bussen starten. Da zitieren wir gerne nochmals den Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung: „Leipzig wächst weiter wie kaum eine andere deutsche Stadt. Das bedeutet mehr Verkehr, mehr individuelle Mobilität, aber auch mehr Umwelt- und Immissionsprobleme. E-Mobilität im ÖPNV, neue Carsharing-Modelle, eine intelligente und multimodale Lade-Infrastruktur oder auch die Privilegierung von E-Fahrzeugen z.B. im Innenstadtverkehr oder der Parkraumbewirtschaftung sichern Lebensqualität, reduzieren Lärm und Feinstaub-Ausstoß.“

Leipzig präsentiert sich als weltoffene Stadt mit klaren Ansätzen zur Lösung der Mobilitäts-Herausforderungen. Sie nimmt die Bewohner, städtischen Einrichtungen und Unternehmen mit auf ihrem Weg. So geht digitale Mobilität im 21. Jahrhundert. Kein Wunder dass die Leipziger in der PWC Studie ganz vorne landeten.

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