Kabelloses Laden – das wäre Kundennutzen erster Klasse

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Zugegeben, für die Fahrer eines Elektroautos hat sich im Vergleich zum herkömmlichen Betanken an der Tankstelle nicht viel verändert. Klappe auf, Tankrüssel oder eben Elektrokabel rein und schon wird das Auto wieder aufgefüllt. Mit Benzin, Diesel oder Strom, alles in etwa gleich mühsam. Einen Quantensprung mit echtem Kundennutzen würden wir erst durch kabelloses Laden machen. Doch da tut sich was.

Witricity und Nissan kooperieren bei der Entwicklung

Witricity nennt seine Lösung für kabelloses Laden DRIVE und erlaubt mit Hilfe eines im Boden des Elektroautos vorhandenen Chips das Aufladen an jeder beliebigen Station. Das Unternehmen verwendet das Prinzip des induktiven Energietransfers für seine Ladetechnik.

Die Liste der Investoren in Witricity ist beeindruckend. Kein Wunder, denn wir sprechen hier von dem weltweit führenden Spezialisten für kabelloses Laden. Gegründet aus einem der vielen erfolgreichen MIT Projekte, arbeiten MIT Professor Marin Soljačić und sein Team bereits seit 2007 an der Umsetzung von kabellosem Laden für Laptops, Haushaltsgeräte, Mobiltelefone und jetzt eben auch Elektroautos.

Kabelloses Laden vom weltweiten Marktführer

Dabei setzt die DRIVE Lösung auf skalierbare Laderaten von zunächst 3,6 bis 11 kW. Wichtig für den variablen Einsatz ist, dass die Höhe zwischen der im Boden eingebauten Ladestation und dem Unterboden des Wagens durchaus variabel sein kann. Vom tief-liegenden Sportwagen bis zum ausgewachsenen SUV – die DRIVE Lader schaffen diese Distanzen mühelos.

Dass Witricity inzwischen ein Ernst zu nehmender Spieler in der Szene der Zulieferer globaler Fahrzeughersteller ist, zeigt die Liste an Partnern. Eine Kooperation für das kontaktlose Laden schloss man schon früh mit General Motors. Im vergangenen Januar erklärte das Unternehmen seine Teilnahme am Projekt Stille. Hier entwickelt neben den deutschen Fahrzeuggrößen Audi, BMW und Daimler auch der Hybrid-Vorreiter Toyota Standards für das kabellose Laden.

Und nun eben Nissan. Das Ziel auch hier: die Benutzerfreundlichkeit und die Effizienz des kabellosen Ladens verbessern. Der Global Director für elektrische Fahrzeuge und Hybride bei Nissan Kazuo Yajima, sieht die Weiterentwicklung der Nutzerfreundlichkeit als den wesentlichen Antreiber für die Kooperation.

Doch wie laden wir auf, wenn wir dann autonom fahren?

Witricity geht sogar noch einen Schritt weiter in der Argumentation. CEO Alex Gruzen erklärt, dass „autonome, elektrische Fahrzeuge die Zukunft persönlicher Mobilität sein werden.“ Doch ohne Fahrer stelle sich dann die Frage: „wer denn das Fahrzeug zum Laden mit der Dose verbinden werde?“ Seine Antwort liefert er prompt mit – „keine Dose, keine Kabel. Parken, kabelloses Laden und autonomes Fahren … mit der Technologie von Witricity.“

Kabelloses Laden
Image: Witricity – Kooperation mit Nissan für kabelloses Laden

 

2 KOMMENTARE

  1. Zitat:
    „Zugegeben, für die Fahrer eines Elektroautos hat sich im Vergleich zum herkömmlichen Betanken an der Tankstelle nicht viel verändert. Klappe auf, Tankrüssel oder eben Elektrokabel rein und schon wird das Auto wieder aufgefüllt. Mit Benzin, Diesel oder Strom, alles in etwa gleich mühsam.“

    Wenn wir nicht in Deutschland wären, würde ich dem Zitat zustimmen, aber wir sind in Deutschland. Da muss ich als Elektrofahrer seinen Tankschlauch bzw. sein Ladekabel (dank Typ 2 Anschluss) mitbringen.

    An einer Tankstelle bezahle ich für die erhaltene Leistung (ggf. abzüglich der Subventionen) und an einer Ladesäule für die gestandene Zeit (Zeittarife). Oft erfahre ich erst Wochen später, was ich bezahlen muss. Das Chaos bei den Ladekarten muss ich nicht erst erwähnen.

    Zum Thema:

    Tarife werden so gestaltet, dass das Laden mit 22kW bevorzugt wird. Die vorgestellte Lösung kann das schon mal nicht.

    Sie wird auch aus einem anderen Grunde in Deutschland krachend scheitern, wenn sich das böse Spiel wie beim Ladestecker Typ 2 wiederholt. Erst haben die Deutschen die Entwicklung verpennt und dann haben sie mit dem Typ 2 Stecker die Entwicklung in Europa gebremst. Das kann hier wieder passieren.

    Meine Erwartungen sind jedenfalls sehr eingeschränkt. Ich wünsche den Nutzern in Asien, Amerika, Australien, vielleicht auch Afrika und Teilen von Europa viel Erfolg.

    • danke für den Kommentar Prius_57 – ich gebe Ihnen vollkommen recht, dieses lästige Kabel raus aus dem Kofferraum und nach dem Laden wieder Verstauen ist tatsächlich recht mühsam. Derzeit werden jedoch viele neue Schnellladestationen gebaut, die das Laden vergleichbar dem Tanken an der Tankstelle machen. Und auch das von Ihnen zitierte Chaos mit den Ladekarten wird verschwinden, da bin ich mir ganz sicher. Schönen Gruß Michael Brecht

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