Die Elektromobilität stellt viele neue Herausforderungen an die Politik und die Industrie, dabei im Mittelpunkt steht die Versorgungslage der Elektroautos. Stellen eine Vielzahl von eAutos eine Gefahr für unser deutsches Stromnetz da? Ist die Elektromobilität momentan überhaupt in einem größeren Ausmaß möglich?

Nutzungsart eines Elektroautos

Fest steht das Elektroautos eine andere Nutzungsart mit sich bringen. Der Alltag mit dem Verbrenner sieht für viele momentan so aus; man fährt 600-1000 km mit einer Tankfüllung und füllt bei günstigen Preisen an der Tankstelle oder bei leerem Tank das Fahrzeug auf.

Die Nutzungsart eines Elektroautos sollte im Idealfall anders sein. In der Praxis lädt man dieses oft nur 15 bis 20 Minuten. Mit einer gut ausgebauten Ladeinfrastruktur sind dabei kurze Lade-Stopps kein Problem. Sein eAuto lädt man am besten, wenn man kurz im Shopping Center ist, einen Stopp für einen Kaffee einlegt, in der Nacht schläft oder während der Arbeitszeit im Büro. Unser Verhalten muss sich also ändern, denn hier spielt keine Rolle, wenn der Tank gegen Null geht, sondern geladen wird immer dann, wenn das Auto abgestellt wird. Dies wäre die gängige Praxis um den alltäglichen Bedarf zu decken.

Die Energiebranche ist besorgt

Die Branche diskutiert angeregt. Insbesondere in der süddeutschen Strombranche werden Sorgen laut, dass die Verbreitung von Elektroautos und elektrisch betriebene Wärmepupen höhere Lastspitzen auslösen könnte.

Diese Lastspitzen können die Leistung von Spitzenlastkraftwerken erforderlich machen. Diese werden zur Bewältigung akuter Ausfälle eingesetzt, wenn Grundlast- oder Mittelastkraftwerke die Versorgung nicht mehr garantieren können. Die Lastspitze ist eine für die Netzbetreiber sehr aufwendige Nachfrage nach Strom, vergleichbar mit einem unerwarteten Kundenansturm, der kurzfristig die Regale leer räumt.

Auch ein Problem der süddeutschen Strombranche ist die geplante Abschaltung des letzten Atomkraftwerks 2022, die voraussichtlich dafür sorgt, dass die Stromproduktion weit unter dem Bedarf liegt.

E-Autolobby wehrt sich

Der Bundesverband Elektromobilität (BEM) und der Bundesverband Windenergie argumentieren gegen die Position der Energieerzeuger. Elektroautos seien keine Gefahr für das Stromnetz und Engpässe seien nicht zu erwarten. Denn Lastspitzen würden nur entstehen, wenn alle Autos gleichzeitig geladen werden würden. nach Einschätzung des Verbands ist genau dieser Fall nicht zu erwarten.

Ladezeiten & größere Akkus

BEM-Präsident Kurt Sigl begründete diese Einschätzung damit, dass Akkus immer größere Kapazitäten bekommen und Autos den Großteil ihrer Lebensdauer nicht aktiv gefahren werden:

„Das durchschnittliche Auto in Deutschland fährt laut Kraftfahrtbundesamt 14 000 Kilometer im Jahr, das sind knapp 40 Kilometer beziehungsweise eine Stunde Fahrzeit am Tag“, sagte Sigl. „Im Schnitt steht ein Auto also 23 Stunden am Tag, das lässt viel Zeit zum Nachladen.“

Und bei dieser hohen „Stand-Zeit“  kann man mit einem intelligenten Lade-Management Lastspitzen vermeiden. Die Ladung in der Nacht, kann durch den geringeren Stromverbrauch zu diesen Uhrzeiten ausgeglichen werden. Berichte sagen, dass eine nächtliche Ladung ohne Probleme möglich wäre. Deutschland hat im Jahr 2016 rund 50 Milliarden Kilowattstunden für das Ausland produziert. Diese Energie, die nächtlich nicht verbraucht wurde, wurde somit des Öfteren ins Ausland verkauft.  Das Potenzial diese Energie selbst zu nutzen ist da.

„Viele Menschen werden mit ihrem Elektroauto nur jeden dritten Tag an die Steckdose gehen.“

Der Landesvorsitzende des Bundesverbands Windenergie Kamm rechnet weiterhin vor:

  • Ein Elektroauto braucht im Schnitt für 100 Kilometer 17 Kilowattstunden
  • Bei einer Durchschnittsfahrleistung von 14 000 Kilometern entspricht dies 2400 Kilowattstunden
  • Dieser Energiebedarf lässt sich leicht mit einer Photovoltaik-Anlage von 18 Quadratmetern Fläche erzeugen.

„Das hat Platz auf einem Garagendach.“ Weiterhin sind moderne Windräder in bayerischen „Leichtwindgebieten“ fähig,  Strom für knapp 4000 Elektroautos zu erzeugen. Eine Millionen Elektroautos würden nach den Berechnungen den Stromverbrauch nur um ein halbes Prozent in die Höhe treiben.

Voller Tank

Hat jeder Besitzer die Möglichkeit sein Auto zuhause zu laden, so benötigt er tagsüber weniger Energie für die Ladung seines Elektroautos und startet mit einem „vollen“ Tank in den Tag. Und bei einer derzeitigen Reichweite von ca. 300 km sollte auch jeder Pendler mindestens zur Arbeit kommen.

Jedes Elektroauto welches gegen einen Verbrenner ausgetauscht wird, reduziert die Nachfrage nach Benzin oder Diesel. Diese Einsparung führt zu einer Reduktion des Stromverbrauches auf der Raffinerieseite. Es gibt Berechnungen die zeigen, dass die Energieeinsparung bei der Aufbereitung von Treibstoff für Verbrenner ca. die Hälfte an E-Autos versorgen könnte. D.h. nichts anderes als dass die Aufbereitung in einer Raffinerie so viel Energie benötigt, dass mit der benötigten Energie für 2 Verbrenner ein Elektroauto mit 15.000km Jahreslaufleistung (16kwh/100km) fahren kann. Dies bezieht sich nur auf die Energie, die verbraucht werden muss, um die Kraftstoffe zu produzieren, nicht auf die Benutzung des Kraftstoffs.

Elektro-Ökosystems by Nissan

Nissan, schwebt ähnlich wie Elon Musk ein Elektro-Ökosystem vor. Ein in Oslo vorgestelltes Konzept soll für mehr Reichweite, mehr Ladestationen und Elektro-Speicher im eigenen Zuhause sorgen. Nissan arbeitet daran, die Zukunft der Elektromobilität aktiver mitzugestalten. Neue Akkus im Elektro-Van e-NV200 steigern die Reichweite um 100 km auf 380 km und das Ladesäulen-Netz mit dem Lade-Standard CHAdeMO  soll um 1000 Stellen auf 5.600 Stück steigen.

Stromspeicher für Zuhause

Tesla stellt bereits eine Powerwall für seine Kunden zur Verfügung. Eine Integration mit einer Solaranlage ermöglicht es, tagsüber den Solarstrom zu speichern und nachts den Haushalt mit der gespeicherten Energie zu versorgen. Auch Nissan will ein  Speichersystem für private Solaranlagen auf den Markt bringen. Die Nutzung soll besonders Besitzer von Elektroautos ansprechen, die darüber ihre Fahrzeuge nachts aufladen können und somit das Stromnetz nicht in Anspruch nehmen.

Fazit

Sind die Sorgen der Energieerzeuger berechtigt? Ist das Elektroauto eine Gefahr fürs Stromnetz? Teilweise, denn für eine effiziente Nutzung ohne Lastspitzen muss das Lademanagement intelligent angegangen werden. Bei der derzeitigen Situation mit nicht kooperierenden Anbietern und verschiedenen Bezahlsystemen scheint ein intelligentes Lademanagement schwierig. Die Nutzer müssen ihre Abläufe auch dem Wandel anpassen und sich mit der neuen „Tank-Situation“ anfreunden, ein Umdenken muss stattfinden.

Der Wandel Richtung Elektromobilität wird auch noch einige Jahre dauern, sodass wir schrittweise mit den Herausforderungen wachsen können. Weiterhin treten die Überlegungen in den Vordergrund, dass der Strom für Elektroautos umweltschonend erzeugt werden muss, damit ein wirklicher Vorteil für die Umwelt eintritt. Auch hier sollte der Wandel jetzt eingeläutet werden und schrittweise in die richtige Richtung gebracht werden.

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