Gestern morgen erfolgte sie dann, die große Pressekonferenz mit geballter, globaler Automobilmanagement Kompetenz. Die vier männlichen C-Levels von GM, PSA, Opel und Vauxhall umringten die Amerikanerin Mary Barra, ihres Zeichen seit 2014 CEO von General Motors. Und manch einer dachte, die Manager könnten vor Euphorie und gezeigter Innovationskraft kaum noch laufen, so selbstbewusst und dynamisch präsentierte sich die Runde der europäischen Presse.

„Jetzt ist es an der Zeit das neue Unternehmen zu einem ‚high performance, customer centric business‘ umzubauen“, so schwärmte PSA CEO Carlos Tavares von den Zukunftsaussichten der Nummer 2 in Europa. Der Chef der PSA Gruppe ist mit 16,6% Marktanteil zum zweitgrößten Automobilhersteller Europas aufgestiegen. Seine Vision: Opel und Vauxhall werden gemeinsam mit PSA zu einem hochperformanten, kundenorientierten Geschäft umgebaut. Na bitte.

Europäischer Champion der Autobauer

Doch bei all den Ankündigungen, wie etwa ‚einen echten europäischen Champion zu schaffen‘ oder ‚dieser Kauf ist ein Game-Changer‘: es bleiben Fragen offen. Wir haben uns daher den Deal einmal genauer angesehen. Was ist dran an der neuen Nummer 2? Was kann die neue Gruppe vor allem im Hinblick auf die Anforderungen der Mobilität von morgen? Dabei sind wir auf die folgenden ‚Challenges‘ gestoßen, um sprachlich einmal im Genre der Manager zu bleiben.

‚Die Beschäftigten und Aktionäre werden profitieren‘

So die Ankündigung von Paris. Während die GM Kollegen befreit von europäischer Last höhere Gewinne und einen verbesserten Cash-Flow feiern, versuchen sich die europäischen Manager in Aufbruch. Es gelte, das Vertrauen der Menschen aufzubauen. Bei einer Beschleunigung des ‚Turn-arounds‘ sei es Aufgabe der neuen Eigentümer aus Frankreich, den ‚talentierten, engagierten Menschen bei Opel und Vauxhall zu helfen, eine bessere Zukunft aktiv zu gestalten. Sie können ‚mit Hilfe ihrer eigenen Fähigkeiten ihre Zukunft selbst sichern‘.

Die gute Nachricht: die beiden verkauften Einheiten werden die Urheberrechtslizenzen von General Motors weiter nutzen können. Das stehe fest, solange bis ‚die Fahrzeuge in den kommenden Jahren nach und nach auf PSA-Plattformen gebaut werden‘, so die Pressemitteilung im Wortlaut. Zusätzlich werden die Pensionsverpflichtungen der Opel und Vauxhall Kollegen an PSA übertragen. Das Ganze wird von GM vollständig finanziert. Soweit so gut. Doch wie lange und zu welchen Konditionen die Urheberrechte genutzt werden können, darüber wird nicht berichtet.

Es fällt auf, dass neben den allgemeinen Plattitüden rund um die ’stärkere Konzentration auf Ressourcen‘ kein Ton zu den Zukunftstechnologien gesagt wird. Statt dessen kommt dann:

‚Steigerungen von Produktivität und Effizienz‘

Wenn bei Automobilherstellern von Effizienz die Sprache ist, dann sollen Größenvorteile in der Regel die Kosten je Fahrzeug drücken. „Die Transaktion wird substanzielle Skaleneffekte und Synergien in den Bereichen Einkauf, Fertigung und Forschung und Entwicklung ermöglichen“, so verkündeten die Manager am Montag. Wer sich dann die Struktur der deutschen Opel Standorte ansieht, der merkt schnell, dass der Rotstift recht zügig wird angesetzt werden können. Nach Auslaufen der Tarifabsicherungen werden in den oben benannten Bereichen voraussichtlich Arbeitsplätze abgebaut.

Und so tituliert die deutsche Presse dann auch gleichermaßen: die Opel ‚Mitarbeiter müssen um die Zukunft kämpfen‚. Schon ist die Rede von einem Stellenabbau von ca. einem Drittel der Belegschaft von Opel. Das wären mehr als 12.000 Mitarbeiter. Man gibt sich beruhigend in Paris: schliesslich sei man selbst vor wenigen Jahren noch Sanierungsfall in der Automobilbranche gewesen.

Die drei Standorte von Opel in Deutschland

Ein Blick auf die drei Opel Standorte in Deutschland macht wenig Mut. Innovationskraft sieht anders aus. Am Standort in Kaiserslautern baut Opel große Dieselmotoren. Selbst für externe Kunden wie schwedische Marine-Boote werden dort Dieselaggregate gefertigt, aber Diesel? Da war doch was?

Und was verbindet die thüringische Stadt Eisenach mit der französischen Hauptstadt Paris. Nun, in Eisenach werden seit 1990 Kleinwagen gebaut, schwer gefördert durch Gelder aus den Töpfen der deutschen Einheit. Zunächst noch Opel Vectra, dann die Kleinwagen Opel Adam. Und die Verbindung zu Paris. Zählen sie mal die Kleinwagen bei einer Umrundung des Arc de Triomphe. Sie werden kaum nachkommen, aber klar ist, dass die meisten davon französischer Provenienz sind. Und das wird sich auch durch den Zukauf von Opel nicht ändern.

Keine Informationen zur Elektromobilität

Was bleibt ist die Hoffnung auf Rüsselsheim. Hier saßen neben dem Management in der deutschen Zentrale vor allem die Innovationsabteilungen. Hier hegte man die große Hoffnung auf den Opel Ampera-e – in Deutschland bereits gefeiert als der wahre Wettbewerber zu Tesla.

Leider beabsichtigt GM ausgerechnet diesen Elektrowagen für sich zu behalten. Das ist ein echter Schlag für Opel und seine französischen Eigentümer. GM wird mit seinem Werk in Turin eben jene Innovationskraft im eigenen Hause bewahren. Und somit werden PSA und Opel eben gemeinsam viel Geld in die Hand nehmen müssen, um in Sachen Elektromobilität aufzuholen.

Sowohl Peugeot als auch Citroen gelten selbst in Frankreich nicht als die Vorreiter in Sachen Elektromobilität. Trotz des 100% elektrischen iON, der inzwischen für unter 20.000 Euro zu haben ist aber eben als total veraltet gilt. Marktführer in Sachen eAuto in Frankreich ist Renault, die Zoe ist im vergangenen Jahr in Deutschland knapp auf dem zweiten Platz unter den zugelassenen Elektrowagen. Von Citroen C-Zero wurden gerade einmal 113 Modelle zugelassen. Innovationskraft sieht eben doch anders aus.

Und somit verbleibt die wirklich spannende Frage, was denn übrig bleibt von der Euphorie der Pressekonferenz. Reine Produktivitätssteigerung durch Größenvorteile? Es droht wieder einmal eine unruhige Zeit für Opel Mitarbeiter zu werden.

Denn die freundlichen Ankündigungen des Managements werden pragmatischen Handlungen weichen. Es droht Ungemach. Da muss man nicht nur von einem potentiellen Worst-Case Szenario in unserem Nachbarland ausgehen. Also für den Fall, dass eine französische Politikerin bei drohendem Wahlsieg ausruft: ‚Frankreich zuerst‘.

 

 

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