In Baden steht die erste öffentliche Ladestation in privatem Besitz

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Diesen Monat (07.2017) errichtete die Firma Enio die erste öffentliche Ladesäule in Baden in privatem Besitz auf öffentlichem Grund. Die Vorteile sind klar: Das Netz der öffentlichen Ladesäulen kann durch private Investitionen erweitert werden und die Besitzer können Geld verdienen.

Wie funktioniert’s?

Die Ladesäule und den Preis für den Strom kontrolliert der Besitzer. Dabei hat er die Möglichkeit, den Strom in kWh abzurechnen oder die Zeit, die ein Fahrzeug an der Ladesäule parkt. Auch eine Kombination aus beidem ist denkbar. Wer eine öffentlich nutzbare Ladesäule anschafft, möchte schließlich, dass der Nutzer nach dem Ladevorgang möglichst schnell weiter fährt. Sonst wird kein Geld verdient. Diese Ladesäule gehört einem der Geschäftsführer des Unternehmens Enio, Fritz Vogel. Die Firma möchte damit einen Präzedenzfall schaffen.

Enio ist die Firma, aus der das Verbundnetzwerk YouCharge hervorging. Innerhalb dieses Netzwerkes sollen Ladesäulenbetreiber Geld verdienen, Fahrer von E-Autos sollen mehr Möglichkeiten haben ihre Fahrzeuge zu laden. Gleichzeitig können diese sich die Investition in eine eigene Wallbox sparen, schließlich hat auch nicht jeder die Möglichkeit dazu auf privatem Grund. Gemeinden können sich dadurch eventuell die Errichtung teurer Ladesäulen im öffentlichen Raum ein Stück weit sparen.

Der Zugang erfolgt über die Ladekarte des Netzwerkes YouCharge. Wer nicht bei YouCharge registriert ist kann den QR-Code an der Ladestation scannen und wird zu einem Webshop geleitet. Hier kann die Bezahlung mit der Kreditkarte erfolgen. Die Abrechnung übernimmt die Firma Enio.

Mit 11 kW Leistung und einem Typ-2-Stecker ist die Ladestation für die meisten Elektrofahrzeuge gut gerüstet. Ein drei Meter langes Kabel macht das eigene Ladekabel im Kofferraum überflüssig. Zumindest, wenn diese Ladestation weiter verbreitet ist. Das Kabel wird über einen langlebigen Seilzug, keine Federung, selbstständig eingerollt.

Wie geht’s weiter?

In Zukunft möchte Enio die Nutzung der Ladestationen für Kunden anderer Verbundnetzwerke öffnen um die Reichweite zu erhöhen und die Hemmnisse insgesamt abzubauen. Auch weitere Stecker sollen an zukünftigen Stationen verfügbar sein. Denkbar wäre beispielsweise ein Schuko-Stecker für die Ladung von Elektromotorrädern.

Mögliche Hürden für die Realisierung

Wer eine Ladestation dieses Vorbildes realisieren möchte, sollte sich einige Fragen im Vorfeld stellen. Zum Einen steht diese Ladesäule auf öffentlichem Grund. Man sollte demnach mit der zuständigen Verwaltung sprechen, bevor man andere Pläne schmiedet oder Geld ausgibt.

Zudem sollte man sich fragen, welchen Preis man für die Standzeit oder den Strom berechnen möchte. Schließlich muss ein kleiner Teil der Einnahmen für die Durchführung der Abrechnung an Enio abgegeben werden und es ist auch die Frage, welche Preise die Nutzer akzeptieren. Denn oftmals kann an öffentlichen Ladesäulen noch kostenlos geladen werden und die hier beschriebene Ladestation kostet immerhin 2.990€ + Bauarbeiten. Insgesamt werden ca. 3.500€ fällig. Im Vergleich zu einer herkömmlichen Ladesäule für den öffentlichen Raum ist das allerdings günstig.

Man sollte sich auch mit der rechtlichen Lage vertraut machen, inwiefern man in Pflichten hineinkommt, wenn man als Privatperson auf öffentlichem Grund eine Ladestation betreibt. Ich denke da an die Sicherheit bei Wind und Wetter, Vandalismus und Wartung. Es könnten einige Dinge auf die Privatperson zukommen.

Nicht zuletzt sollte man im Vorfeld klären, ob eine Parkplatzreservierung für Elektrofahrzeuge eine Chance auf eine Genehmigung hat und welcher bürokratische Aufwand oder welche Kosten damit verbunden sind.

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