Glasschair – Smart Glass Applikation für selbständige Mobilität

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Ich treffe Claudiu Leverenz auf einen Kaffee in München. Er ist einer der Macher von Glasschair, der Innovation in Sachen Mobilität an diesem Startup-Tuesday in unserer Serie Startup der Woche.

Die Aufgabe: Verletzungen an der Wirbelsäule, Verlust von Gliedmaßen oder Krankheiten wie Parkinson und Multiple Sklerose betreffen Menschen aus allen Bevölkerungsschichten weltweit. Diese Verletzungen und Krankheiten können dazu führen, dass die Betroffenen nur noch ihren Kopf bewegen können.

Die Lösung: Glasschair hat eine neue Sondersteuerung für Menschen entwickelt, die körperlich eingeschränkt sind und einen elektrischen Rollstuhl kaum, oder nicht auf konventionelle Art steuern können. Im Gegensatz zu etablierten, meist rein mechanischen Steuerungen, erfasst Glasschair erstmals Kopfbewegungen und Sprachbefehle mit Hilfe einer sogenannten ‚Smart Glass‘.

Claudiu, bitte erzähl uns etwas über die Idee zu Glasschair, wie seid ihr auf dieses Thema gekommen?

Glasschair ist eine neue Art von Sondersteuerung für elektrische Rollstühle. Diese kommen meist zum Einsatz wenn ein Rollstuhlfahrer schwere Krankheitsverläufe ausweist und damit verbunden nicht mehr mit einem normalen Joystick fahren kann. Dafür gibt es viele Gründe und Ursachen. Querschnitt, Parkinson, ALS, Muskel Dystrophie und viele andere.

Glasschair nutzt die innovative Technologie Smart Glass. Das ist eine Brille, welche intelligent ist. Das kann man auch ganz einfach mit einem Smartphone vergleichen aber nur als Brille. Man kann also damit Photos machen, ins Internet gehen und mit Freunden telefonieren. Meistens besitzen diese Smart Glasses auch Sensoren. Glasschair nutzt die Sensoren für die Erfassung der Kopfbewegung. Damit kann dann der Rollstuhlfahrer seinen Rollstuhl mithilfe von Drehen und Nicken des Kopfes steuern. Zusätzlich hat der Benutzer nun Zugang zu Funktionen, welche für uns selbstverständlich sind.

Das Ganze hat während des Studiums begonnen und wir sollten Mobilitätsprobleme identifizieren und vereinfachen. Ein Teammitglied hatte früher in einem Heim für Kinder mit Einschränkungen gearbeitet und ist damit dann letztendlich auf die Idee gekommen.

Bildrechte: Fotograf David Freudenthal

Wie sieht euer Gründerteam aus?

Das Team ist sehr breit aufgestellt und besteht derzeit aus Julius (Medizinstudent), Konstantin (Abschluss in M.Sc. Maschinenbau), Aashish, Deepesh (beide Informatikstudenten) und mir (Abschluss in M.Sc. Wirtschaftsinformatik). Damit decken wir alle Bereiche ab, welche für uns wichtig sind.

Julius ist verantwortlich für die medizinischen Tests und Studien mit Rollstuhlfahrern und kümmert sich außerdem, um Aspekte der Medizinprodukt-Zertifizierung. Konstantin bemüht sich hauptsächlich um die Hardware-Komponente von Glasschair, dem Adapter. Dieser muss den Standards für Medizinprodukten entsprechen und sehr robust sein. Hauptaufgabe wird auch die Produktionsplanung, womit Konstantin bereits Berührungspunkte während des Studiums hatte. Aashish und Deepesh haben mehrjährige Erfahrung im Bereich der Softwareentwicklung. Aashish is daher verantwortlich für das Fahrkonzept und die Umsetzung in der Software, während Deepesh auf Appplikationsseite für die Funktionsvielfalt zuständig ist. Ich übernehme dann das Marketing, die Finanzen und den Vertrieb und manage das gesamte Projekt.

In welcher Phase eures Startups seid ihr heute?

Wir sind noch in den Anfangsphase. Ein Produkt auf den Medizinmarkt zu etablieren ist sehr schwierig und außerdem langwierig. Derzeit stehen weitere Einzeltests mit Personen an. Dies wird dann übergehen mit einer klinischen Studie in der Neurologie im München Rechts der Isar Klinikum. Zur gleichen Zeit arbeiten wir an der Zertifizierung zum Medizinprodukt, welches am schwierigsten ist. Wir werden glücklicherweise durch die Stiftungen (z.B. Gisela-Hagemann-Stiftung) finanziell unterstützt und konnten bereits einige Preise und Programme für uns gewinnen, sodass wir momentan auf dem richtigen Weg sind.

Was wünscht ihr euch für 2017?

Wir würden gerne die klinische Studie erfolgreich abschließen und damit verbunden natürlich auch die Zertifizierung zum Medizinprodukt erhalten. Damit wären wir einen sehr großen Schritt weiter und näher an unserem geplanten Marktlaunch 2018.

Claudiu, ich danke dir für dieses hochinteressante Gespräch und wünsche euch viel Erfolg bei der Umsetzung eurer Mobilitätsidee.

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