eMobilität 2017 – Blick aus Stuttgart

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evs30 Messe Stuttgart

Stuttgart hat eMobilität 2017 in besonderer Weise erlebt – mit der ams i-Mobility im Frühjahr und der evs30 im Herbst fanden zwei Leitmessen in der Schwabenmetropole statt, zudem gab es eine Vielzahl von Initiativen und Ankündigungen der baden-württembergischen Hersteller von Premiumfahrzeugen.

Messen in Stuttgart als Entwicklungs-Seismograph 2017

Die ams-i-mobility machte vom 20. bis 24. April den Start, die vom Flaggschiff des Stuttgarts Verlagshauses Motorpresse, der auto motor und sport (ams), als Namenssponsor präsentiert wurde. Es sollte um intelligente Mobilitätslösungen gehen (Ankündigung vom 15. März), die vom baden-württembergischen Verkehrsminister Winfried Hermann beim Eröffnungsrundgang kurzweilig kommentiert wurden.

Erschreckend nur, dass neben Mercedes-Benz und Renault nur wenige Aussteller mit veritablen Messeständen vertreten waren und die Gesamtveranstaltung selbst für schwäbische Verhältnisse ungewohnt hemdsärmlig daherkam – kein fulminanter Auftakt!

Ganz anders keine 6 Monate später – die evs30 öffnete am 9. Oktober mit der Battery-Storage und f-cell Ausstellung die Pforten und präsentierte sich als veritable Top-Messe mit enormer Bandbreite und einem deutlichen Committment von Zulieferern und OEMs.

OEMs auf evs30
Bildquelle: www.eichsteller.com | newsroom.porsche.de

Zulieferer emanzipieren sich

Besonders auffällig die Zulieferer, die eigene Fahrzeuge mit der von ihnen entwickelten Technik zeigen; dabei sind diese Fahrzeuge vielleicht sogar mit Absicht nicht besonders ’schön‘, aber seit der CES in Las Vegas, als Bosch sein Concept Car vorgestellt hat, liegt für mich in der Luft, dass es in der Automobilbranche auch ein grundsätzliches Upside-Down geben könnte. Neben dem Mahle Fahrzeug für mich eines der interessantesten Exponate der Elektroantrieb im Rad von Continental.

Zulieferer evs30
Bildquelle: www.eichsteller.com

Auch die schwäbischen Hidden Champions, Weltmarktführer in ihren jeweiligen Bereichen mit einer Umsatzgrössenordnung von 2 bis 4 Mrd. € demonstrieren, dass sie die Szene nicht nur von außen beobachten wollen. Flagge zeigen Wieland (Kupfer), Lapp Group (Kabel) und Mann+Hummel (Filter).

HiddenChampions evs30
Bildquelle: www.eichsteller.com

Ausbau Netze

Für Elektromobilität braucht man Strom und Stecker – Mennekes beliefert die Welt mit Steckern aus dem Sauerland (siehe auch Basisartikel über Stecker), die Stromversorgung ist in Deutschland regional organisiert, E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW sind die vier großen Player.

EnBW mit ihrer Tochter Netze BW ist bereits in der Umsetzung der Konzepte, mit denen  man dem enormen Strombedarf gleichzeitig ladender Elektrofahrzeuge begegnen will.

Dr. Frank Mastiaux, CEO von EnBW zu seinen weiteren Plänen in den Stuttgarter Nachrichten: „Wir werden mit hohen Investitionen und intelligenter Technik die Stromnetze so verstärken, dass die nötige Leistung bereitsteht – in der privaten Garage ebenso wie an der öffentlichen Ladesäule.

Es ist zum Beispiel erforderlich, die Verteilnetze gezielt zu verstärken. Bis Ende dieses Jahres wollen wir außerdem an 119 Autobahnstandorten Schnellladesäulen betreiben, bis Ende 2020 sollen es 1000 Standorte bundesweit sein.“

Strom_Stecker evs30
Bildquelle: www.eichsteller.com

Arena 2036 und Startup Autobahn in Stuttgart-Vaihingen

Der Campus Stuttgart-Vaihingen beheimatet renommierte Forschungseinrichtungen (Max-Planck-Institut mit Physik-Nobelpreisträger Klaus von Klitzing, Bundeshochleistungs-Rechenzentrum, Fraunhofer Institut, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt u.v.a.m.) sowie die Universität Stuttgart und die Hochschule der Medien. Unter dem Namen Arena 2036 gründeten Daimler AG, Universität Stuttgart und der US-amerikanische Technikinvestor Plug and Play 2016 eine Initiative, um aus der Automobil- und Ingenieursregion Stuttgart eine Art Silicon Valley der Mobilität zu machen.

Prominenten Zuwachs gab es 2017 mit Porsche und auch auf der Zuliefererseite; die im Weltmarkt jeweils zu den Top 3 gehörenden Unternehmen ZF Friedrichshafen, BASF, Hewlett Packard Enterprise und der Elektronikspezialist Murata signalisierten ebenfalls ihre Partnerschaft (Bericht vom 2. Februar 2017). In der Arena 2036 wurde ein auf 100 Tage angelegtes Accelerator Programm mit dem klangvollen Namen Startup Autobahn aufgesetzt, nach 14 Startups 2016 waren es Anfang 2017 schon 28, Ende 2017 sind im ebenfalls von Plug and Play gemanagten Programm nun 34 Firmen (www.startup-autobahn.com/de/).

Automobilhersteller und Tesla

Für den Produktionsstandort Stuttgart bedeutet die langfristige Umstellung auf Elektromobilität eine ganze Menge. Die Daimler AG hat dazu die Elektro-Offensive der Daimler AG mit mehreren Bestandteilen angekündigt (Bericht vom 3. März 2017), einerseits steht die aktuelle Modellpalette mit Elektroantrieb und der Ausbau der Plug-in-Hybride im Fokus, andererseits die Vorbereitung der Produktionsstätten auf den Wechsel von Verbrennungsfahrzeugen auf Fahrzeuge mit Elektroantrieb.

Auch aus München werden zahlreiche neue Modelle angekündigt (Bericht vom 9. Dezember 2017), zudem investiert man 200 Mio € in das Kompetenzzentrum Batterie, wobei das Timing dem externen Betrachter allerdings nicht besonders ambitioniert erscheint (Bericht vom 7. Dezember 2017).

Betrachtet man Google-Treffer, Börsenkapitalisierung, Image sowie viele Artikel u.a. auch von meinen Mitautoren auf dem eMobilitaetblog, ist Tesla der Hero unter den Herstellern.

Die Berichte aus der Produktion des Model 3 sehe ich allerdings sehr skeptisch und als herben Rückschlag (Rückblick von Marvin Eichsteller vom 18. Dezember 2017). Eigentlich wollte man ja 500.000 Stück produzieren und verkündete kühn ein Produktionsziel von 5.000 Stück. Nicht nur, dass hier eine Null fehlt, sondern es liefen noch nicht einmal 5 % davon in Q3, also keine 250 Stück vom Band. Vielleicht ist es dann doch etwas komplexer als gedacht, als veritabler Autobauer mehr als ein paar zehntausend Stück zu produzieren. Elon Musk tweetete bemerkenswert ehrlich am 6. Oktober: We are deep in production hell 🔥

Für Porsche ist Tesla kein Thema

Porsche gibt Gas, der Mission E soll früher als ursprünglich angekündigt schon 2019 kommen. Mit der Strategie 2025 setzt Porsche auf einen Mix von klassischen Grand Tourismos und Sportwagen sowie vollelektrischen Fahrzeugen.

Quelle: Reichel Car Design auf www.focus.de
Quelle: www.focus.de / Computerzeichnung: Reichel Car Design

Im Kern der Strategie stehen die Werte der Marke Porsche. Im Focus-Interview diese Woche erläutert CEO Oliver Blume: „Wenn wir Elektromobilität machen, dann wird die sehr sportlich sein. Aber wir gehen bei der Positionierung eines Fahrzeugs immer unseren eigenen Weg. Für uns spielt Tesla keine Rolle, genauso wenig wie BMW.“

Bei meinem persönlichen Ausblick für die Zukunft der Automobilbranche schließe ich mich Ferry Porsche an, dessen Einschätzung mir letzte Woche in Zuffenhausen auf der Treppe zur Mitarbeiterkantine ‚begegnete‘ – in diesem Sinne: Alles Gute für ein gelungenes 2018!

Zuffenhausen im Treppenhaus
Bildquelle: www.eichsteller.com

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