Tesla hat vor kurzem sein neustes Projekt auf eine Präsentation in Kalifornien vorgestellt; einen elektrischen LKW. Auch Daimler und andere Hersteller planen die Bereitstellung von elektrischen Nutzfahrzeugen. Die Entwicklung in diesem Bereich scheint dringend notwendig, denn der Güterverkehr macht einen großen Teil der CO2 Emissionen im Verkehr aus. Welche Fortschritte gibt es in diesem Bereich? Kann Tesla auch hier Marktführer werden und welche Vorteile und Nachteile ergeben sich aus der elektrischen Fortbewegung im Güterverkehr?

Die deutsche Logistikwirtschaft ist eine mächtige Industrie, die mit 2,7 Millionen Beschäftigen und 200 Milliarden Euro eine wesentliche Rolle in unserer Marktwirtschaft spielt. Der Nutzfahrzeugbestand soll weiterhin mittelfristig um mehr als 20 Prozent wachsen, auf mehr als 3,5 Millionen Fahrzeuge. Laut Experten wird der Güterverkehr weiter internationalisiert und immer größerer Transportweiten stellen die Unternehmen vor neue Herausforderungen. Besonders der Versand von hochwertigen Gütern sowie von Kurier- und Expressgut nimmt zu.

Diesel: „es lässt sich nicht viel machen“

Der Gesamtbestand an Nutzfahrzeugen ist in Deutschland seit 1990 kontinuierlich angestiegen. Waren 1990 noch knapp 1,5 Millionen Fahrzeuge unterwegs, sind es mittlerweile knapp 3 Millionen. Und die Diesel Technik dominiert. Bei leichten Nutzfahrzeugen hat sich der Bestand seit 1990 mehr als verdreifacht und dort sind 95 Prozent der Antriebe mit der Dieseltechnik ausgestattet. Bei schweren LKW sogar 99 Prozent.

Was in  der Automobilindustrie gerade erst eingeführt wird ist bei LKWs schon lange verpflichtend; bei der Abgaskontrolle „ werden schon seit Einführung der Euro-6-Norm im Jahr 2013 die Stickoxid-Emissionen nicht nur im Labor, sondern auch im realen Betrieb auf der Straße gemessen“ so Karl Huber, Professor für Thermodynamik und Verbrennungsmotoren gegenüber dem Spiegel Online.

Und laut dem Experten „lässt sich nicht viel machen“, denn die CO2-Effizienz der Dieselmotoren ist ausgereizt. Bei LKW ist „die Abgasnachbehandlung einfacher als beim Pkw umzusetzen, weil für die nötige Technik mehr Platz vorhanden ist und das Verhältnis der Kosten zum Gesamtfahrzeug günstiger ausfällt“. (Quelle: Shell Nutzfahrzeugstudie 2016)

Transportmenge wird wachsen

Laut Dipl.-Ing. Andreas Lischke, „wird die Menge der transportierten Güter (Güterverkehrsaufkommen) von heute (2014) 4,1 auf 4,8 Milliarden Tonnen im Jahr 2040 wachsen. Daran hat der Lkw dann einen Anteil von 3,9 Milliarden Tonnen. Die Güterverkehrsleistung wird sich bis 2040 auf 962 Milliarden Tonnenkilometer verdoppeln“

Potenzial Elektromobilität

Besonders bei leichten Nutzfahrzeugen und LKW mit urbanen Fahrprofilen kann sich die Elektromobilität lohnen. Laut Untersuchungen des DLR sind rund 20 Prozent aller verkehrsbedingten CO2-Emissionen auf Lkw zurückzuführen. Die  CO2-Emissionen von Lkw und Bussen könnten 2040 auf das Level der Pkw-Emissionen ansteigen. Erste Pilotprojekte, beispielsweise in Zürich und Berlin zeigen auf, emissionsfreier Gütertransport innerhalb von Städten ist möglich. Für den städtischen und regionalen Lieferverkehr sind die Touren gut ein planbar, Ladepausen können beim Be- und Entladen stattfinden.

Kosten

Das Angebot steigt und auch die Nachfrage nach elektrisch angetriebenen Lkw und Nutzfahrzeugen wird höher. Dies liegt auch an der zunehmenden wettbewerbsfähig der Modelle. In einer Studie von McKinsey konnte die  Unternehmensberatung aufzeigen, dass in bestimmten Nutzungssituationen Kosten schon heute gleichauf mit traditionellen Dieselantrieben sind. Besonders bei kleinen Elektro-Lkw bis 7,5 Tonnen ist man in Europa  schon auf Augenhöhe. Man fand heraus, dass die effektivste Einsatzreichweite bei etwa 200 Kilometern Fahrleistung pro Tag liegt.

Bei schweren Lkw muss man noch das Ladeproblem für Fahrten auf Langstrecken lösen. Hier könnten elektrische Oberleitungen eine Lösung sein.

Oberleitungsanlage für elektrifizierten Straßengüterverkehr

Das Land Hessen hat Siemens mit dem Bau einer solchen Oberleitungsanlage beauftragt. Auf einer über zehn Kilometer langen Strecke sollen teilelektrische Hybrid-Lkw mit Strom versorgt werden. Die eAutobahn wird auf der A5  zwischen Zeppelinheim/Cargo City Süd und Darmstadt/Weiterstadt geplant. Ende 2018 ist die Inbetriebnahme geplant. Kompatible Lastwagen versorgen sich während der Fahrt aus der Oberleitung mit Strom und können dabei den Verbrennungsmotor ausschalten.

Angebot und Nachfrage

Einige Logistik Unternehmer bemängeln das Angebot der elektrischen LKW. Ähnlich wie beim Markt für Elektroautos ist dieser noch sehr klein. „Das beginnt schon damit, dass man bei den E-Lkw das nehmen muss, was es gibt und nicht das nehmen kann, was man braucht. In seinem Fall war das ein LKW mit 408 PS;  „Die Fahrer finden das auf jeden Fall toll, die Kostenrechner eher nicht.“ So Thomas Wallrabenstein von der EGV Lebensmittel.

Daimler

„Unser E-FUSO Vision One ist ein revolutionäres Konzept für einen vollelektrischen schweren Lkw.“ So  Fuso-Chef Marc Llistosella. Der E-FUSO Vision One ist ein rein elektrisch angetriebener schwererer LKW. Die Nutzlast soll bei etwa 11 Tonnen liegen. Der LKW soll eine Reichweite von 350 km bereithalten.

Der eCanter ist ein weiteres Fahrzeug von Daimler und der erste  vollelektrische Serien-Lkw für den leichten Verteilerverkehr mit einer Reichweite von 100 bis 120 Kilometern. „Im Vergleich zu einem konventionellen Diesel-Lkw spart der Kunde pro 10.000 gefahrenen Kilometern 1.000 Euro Betriebskosten“ so Daimler.

Beide LKW werden für den regionalen inner- und zwischenstädtischen Verteilerverkehr geplant.

Tesla

Die Produktion des vollelektrischen LKW  soll Ende 2019 starten. Die Reichweite des Trucks soll bei voller Ladung bis zu 800 Kilometer betragen. Damit würde man die Hälfte der Reichweite von Diesel LKW bieten. Dafür sollen jedoch die Kilometer rund 20 % günstiger sein, als bei der Verbrenner Variante.

Daten des Trucks

  • vier E-Motoren
  • Von 0-60 mph (0-97 km/h) in 5 Sekunden ( ohne Fracht)
  • Von 0-60 mph (0-97 km/h) in 20 Sekunden ( mit Fracht)
  • mehr Windschlüpfrigkeit als ein Bugatti Chiron.

Den Käufern garantiert Tesla eine Lebenszeit des Elektroantriebs von knapp 1,6 Millionen Kilometer. Die Haltbarkeit der Bremsen soll dank regenerativem Bremssystem “prinzipiell endlos“ sein.  Der Preis soll bei 150.000 Euro liegen.

Fazit

Die Fortschritte im Güterverkehr sind groß und der Automobilbranche in manchen Punkten deutlich voraus. Die Euro-6-Norm wurde bereits im Jahr 2013 nicht mehr nur im Labor getestet, sondern auch im realen Betrieb auf der Straße gemessen. Mittlerweile bieten immer mehr Hersteller hybride oder vollelektrisierte Fahrzeuge an und das Portfolio wird Jahr für Jahr wachsen.

Laut Martin Daum, Chef der LKW Abteilung von Daimler, müssen LKWs vier bis fünf Jahre laufen und mindestens eine Million Kilometer erreichen. Laut seiner Aussage sind davon „ heutige Batterien aber weit entfernt.“ Tesla gibt seinen Truck eine Garantie von  1,6 Millionen km. Ein Langzeittest hat Tesla jedoch wahrscheinlich noch nicht vorgenommen.

Die Vorteile liegen klar auf der Hand, emissionsfreier Transport und keine Verschmutzung der Innenstädte. Jedoch ist besonders die Lade Situation noch fraglich. Eventuell können Oberleitungen einen Teil des Ladeproblems beheben, jedoch muss man in dieser Branche noch viele Fragen klären, bevor ein flächendeckender Einsatz gewährleistet werden kann. Dabei spielt auch der Preis eine wichtige Rolle.

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