Die Elektromobilität schreitet weltweit voran und eröffnet immer neue Perspektiven für die Verbraucher. Die deutsche Automobilindustrie, jahrelang Vorreiter und Innovationsträger, scheint abgeschlagen hinter Tesla. Doch was darf der Kunden von den deutschen Autobauern erwarten? Wie planen die Hersteller ihre Batteriefertigung und welche Modelle gibt es heute bereits und welche erwarten wir in der Zukunft?

Eine Analyse der großen Drei: Vollkswagen, Daimler und BMW

Batteriefertigung

Die derzeitige Situation in der Batteriefertigung ist bei jedem der großen deutschen Hersteller gleich. Bislang wird auf eine eigene Fertigung verzichtet. Die Zellen werden vor allem von Zulieferern aus Asien bezogen und in die Werke von Volkswagen, Daimler und BMW verschickt. Der weltweit größte Autozulieferer Bosch ist noch in der Entscheidungsfindung und will Anfang 2018 entscheiden, ob man eine Investition in Milliardenhöhe in die Zellproduktion wagt. „Da müssen ein paar Dinge zusammenkommen“, sagte Bosch-Chef Volkmar Denner der „Welt am Sonntag“. Und auch bei den Automobilherstellern müssen einige Dinge zusammenkommen.

BMW investiert & hält sich alle Möglichkeiten offen

Die Bayern haben angekündigt, in den nächsten vier Jahren 200 Millionen Euro in ein „Kompetenzzentrum Batteriezelle“ zu investieren und mit 200 Mitarbeitern 2019 die Arbeit in München aufzunehmen. Ziel ist es, Batteriezelltechnologie zu erforschen und weiterzuentwickeln und die Produktionsprozesse „technologisch zu durchdringen“. Im Fokus des Zentrums stehen Verbesserungen bei „Performance, Lebensdauer, Sicherheit, dem Laden und nicht zuletzt den Kosten der Batterien“. so BMW.

Eine eigene Fertigung sieht BMW derzeit nicht vor, jedoch kann das neue Batteriezentrum kurzfristig bei Bedarf die Möglichkeit einer eigenen Produktion schaffen. „Wir können dann selbst produzieren, müssen aber nicht und halten uns strategisch alle Optionen offen“, erklärte BMW-Produktionschef Oliver Zipse. Vorerst will man „nach exakten Produktvorgaben und Spezifikationen fertigen lassen“ und sich somit Kostenvorteile und Skaleneffekte sichern.

Derweil hat der bayerische Autohersteller BMW schon länger seine Batteriefertigung in ein bestehendes Fahrzeugwerk integriert. Seit zweieinhalb Jahren fertigen Mitarbeiter am BMW-Standort Dingolfing auf zwei eigenen Fertigungslinien Speicher sowie Elektromotoren für die Elektroautos und Hybrid-Fahrzeuge des Unternehmens. Diese Fertigungskapazitäten sollen bald ausgebaut werden.

Volkswagen

Der derzeit größte Autohersteller der Welt plant die Batteriefertigung in einer eigenen Fabrik. Das Motorenwerk in Salzgitter hat mit dem „Zukunftspakt“ die entsprechende Zusage erhalten, so Betriebsratschef Bernd Osterloh gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

„Wir gehen davon aus, dass die Batterie in Zukunft 40 Prozent der Wertschöpfung eines Autos ausmacht“ und weiter „Die Frage ist, ob wir uns dabei komplett von Herstellern aus Asien abhängig machen wollen. Ich sage: Als Gewerkschaften und Betriebsräte wollen wir dies auf gar keinen Fall“, so Osterloh. VW-Markenchef Herbert Diess bestätigt dies gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: „Es wird kaum Felder geben, wo man schneller wachsen kann, wenn man kompetent ist, Industrieanlagen zu bauen.“

Bei Volkswagen geht man davon aus, dass für die kommenden elektrischen Modelle mindestens vier Gigafactories benötigt werden. Um diese Last zu verteilen, sucht man Partner in Europa, China und Nordamerika. In Salzgitter wird man vorerst nur die Produktion von Batteriezellen und Modulen erproben. Nach ausführlichen Tests will man die Entscheidung treffen können, ob man selbst in die Fertigung großer Stückzahlen einsteigt. Bisher bezieht man die Batterien vom koreanischen Hersteller Samsung

Daimler

„Die Automobilindustrie steht vor einer fundamentalen Transformation, und wir begreifen uns als treibende Kraft des Wandels“, lies Vorstandschef Dieter Zetsche zur Grundsteinlegung im sächsischen Kamenz verlauten. (Quelle: Media Daimler) In Kamenz will Daimler mit seinem Tochterunternehmen Deutsche Accumotive komplexe Batterien für Mercedes-Benz und Smart bauen. Die Akkuzellen werden zugeliefert und soll dann vor Ort von den Mitarbeitern mit Steuerungselektronik, Batteriekühlung und Gehäuse versehen werden.

Die komplette heimische Batterieproduktion macht man von der technologischen Entwicklung abhängig. Mit den heute gängigen Lithium-Ionen-Zellen macht es auf Basis der wesentlich höheren Energiekosten keinen Sinn, die Zellen selbst zu produzieren, jedoch ändert sich dies, wenn man die Entwicklung zu Lithium-Luft, Lithium-Schwefel oder Festkörperchemie verfolgt: „Wenn es ein solches Konzept gibt und unsere großen Forschungsanstrengungen dazu führen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Hersteller und Zulieferer einzeln oder zusammen ein solches Konzept realisieren.“ (Quelle: Reuters)

Modelle – heute

BMW i & Plugin Hybride

„Wir sind bei der Elektrifizierung bereits in die Breite gegangen – haben acht Modelle im Markt, und sind mit 21 Prozent Marktanteil in Europa weiter als alle anderen. Und wir haben noch viel mehr vor“ so Robert Irlinger, Leiter von BMW i, selbstbewusst gegenüber Autogazett.

BMW hat mit dem i3 ein reines Elektrofahrzeug auf dem Markt, der auch der beliebteste Stromer in der Modell-Palette ist. Seit der Markteinführung wurden 10.000 Wagen zugelassen. Der BMW i8 wurde 2014 auf den Markt gebracht und kommt im Facelift mit Verbesserungen bei der Leistung und der elektrischen Reichweite. Acht weitere Fahrzeuge stehen mit Plug-In Hybrid zur Verfügung, darunter auch der neue 7er BMW. Unter den Plugin Hyvbride ist der BMW 225xe Active Tourer äußerst erfolgreich, fast jeder 6. Active Tourer ist eine Elektrovariante.

Volkswagen

Der Volkswagen Konzern hat bisher wenige eModelle auf dem Markt. Zusammenhängend mit den ehrgeizigen Plänen, in den nächsten Jahren 30 neue Batterie-Elektrofahrzeuge auf den Markt zu bringen, wurde der Elektroauto-Baukasten MEB entwickelt. Konzernweit eingesetzt, d.h. auch für Skoda, SEAT & Co, soll man damit die Konkurrenz übertrumpfen können.

Aktuell ist seit dem Sommer 2017 die neuste Version des eGolf auf dem Markt. Die Lithium-Ionen-Batterie hat einen Energiegehalt von 35,8 kWh und mit den 136 PS und 290 Nm beschleunigt der Wagen in 9,6 Sekunden auf 100 Stundenkilometern.

VW selbst bietet noch drei Hybrid Modelle an, den Golf GTE, den Passat GTE und den Passat GTE Variant. Audi „bietet in drei Fahrzeugklassen Vollhybride mit Lithium-Ionen-Batterien an. Der A6 hybrid*, der A8 hybrid und der Q5 hybrid quattro* nutzen einen parallelen Antriebsstrang.“ (Audi Technologie Portal)

Daimler

Mercedes hat nach der Einstellung der elektrischen B Klasse aktuell keinen reinen Stromer auf dem Markt. Das Angebot und die Wahlmöglichkeit der Kunden wird auch hier nur langsam schrittweise erhöht. In 2017 hat das Unternehmen insgesamt zehn Plug-In Hybrid Modelle auf den Markt gebracht. Begonnen wurde mit dem S 500 PLUG-IN HYBRID. (Quelle: Media Daimler)

Modelle – morgen

BMW – 2025

Für BMW stehen drei Kernbotschaften der Marke im Vordergrund. Jene umfassen neben Dynamik und Sportlichkeit die Bestandteile Luxus & Premium und eben das ‚i‘ – also die Elektromobilität, so die Aussage von Senior Vice President Hildegard Wortmann.

Die langfristige Modell-Strategie soll zwölf reine Elektroautos und 13 Plug-in-Hybride bis 2025 hervorbringen. „Im kommenden Jahr bringen wir den i8 Roadster, in 2019 den vollelektrischen Mini. In 2020 kommt der vollelektrische X3.“ „Der nächste große Innovationssprung“ wird der iNext, der 2021 erscheinen soll und dann kommt in den kommenden Jahren auch noch der i Vision Dynamics, der sich als elektrische Mittelklasse-Limousine positionieren wird. (Robert Irlinger, Leiter von BMW i, Autogazette) Nach seinem Debüt 2010 feiert auch der MINI E 2019 sein Comeback. Kunden können mit 300 Kilometern Reichweite rechnen, die ähnlich der Reichweite des BMW i3 ist. Gefertigt wird der Stromer trotz Brexit in Oxford.

VW – 2025

VW investiert in den kommenden vier Jahren mehr als 34 Milliarden Euro in die Entwicklung der E-Mobilität. Bis in das Jahr 2025 sollen 80 verschiedene Modelle Elektro- oder Hybridvarianten den Markt bereichern. Drei Jahre früher, 2022 sollen fünf Elektroauto-Modelle auf MEB-Basis realisiert werden. Markenvorstand Welsch zufolge könnten auch bestehende Baureihen wie Golf, Tiguan oder Passat den Weg in die Elektromobilität finden und das mit der Plattform MEB.

„Laut der Strategie „Transform2025+“ will Volkswagen 2025 eine Million e-Autos pro Jahr verkaufen, verteilt auf rund 30 verschiedene Modelle quer durch die Konzernmarken.“ Volkswagen Magazin.

Erste Modelle werden der VW I.D., der 2020 in Serienproduktion gehen soll, und der Elektro-Bulli I.D. Buzz sein. Anscheinend ist das Interesse der VW-Tochtermarken an der Plattform hoch. Skoda plant fünf reine und teilelektrische Modelle bis 2025. Auch SEAT plant in Richtung Elektro, ist sich aber noch unschlüssig, ob vollelektrisch oder hybrid.

Daimler – 2023

Mit einer ‚modellübergreifenden Elektrofahrzeug-Architektur für batteriegetriebene Fahrzeuge geht der deutsche Autobauer Mercedes-Benz in die Offensive. Neben dem neuen smart fortwo und smart fortwo cabrio Versionen wird in diesem Jahr auch die emissionsfreie Version des smart forfour vorgestellt, was smart zum einzigen Automobilanbieter macht, welcher alle seine Autos mit Verbrennungsmotor sowie Elektroantrieb anbietet.

„Die Mobilität der Zukunft bei Mercedes-Benz stützt sich auf vier Säulen: Connected, Autonomous, Shared und Electric (CASE).“ Dr. Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG und Leiter Mercedes-Benz Cars

Electrisch wird bei Mercedes ab 2019 das Crossovermodell EQ C. Optisch wirkt der EQ wie ein Mercedes GLC. Bis 2023 folgen zwei weitere SUV und zwei Limousinen. Eine der Limousine wird sich zwischen C- und E-Klasse einordnen. Des Weiteren plant man drei rein elektrische Modelle in der Kompaktklasse mit 300 bis 400 km Reichweite.

Fazit

Fest steht, die Elektromobilität ist auch bei den deutschen Automobilbauern angekommen. In den kommenden Jahren werden einige Modelle den Markt der Elektromobilität bereichern. Innovationsträger sind wir im Rahmen der eMobilität nicht mehr zwangsläufig. Tesla hat zwei etablierte elektrische Modelle auf dem Markt, das dritte bahnt sich seinen Weg. Keiner der deutschen Hersteller hält mehr als ein elektrisches Modell für seine Kunden bereit, da ist definitiv Ausbaupotenzial. Aber das haben die Hersteller auch selbst bereits erkannt und die neuen Investitionsvolumen der Industrie geben ein deutliches Signal in Richtung Tesla.

Der Kunde darf den Beginn des Wandels frühestens 2019/2020 erwarten, denn dann werden die Modellpaletten erst elektrisch bereichert werden. Reichweiten eines Model S sind derzeit geplant, in den heutigen Modellen jedoch nicht realisiert – keines der aktuellen Modelle schafft heute mehr als 300 km. Die Batteriefertigung könnte in Europa, eventuell sogar gemeinsam statt finden. Der wirkliche Ausgang dieser Situation steht jedoch auch noch in den Sternen. Das Knowhow der Zellproduktion wird jedoch sicher seinen Weg zu unseren Automobilherstellern finden, dafür werden die Investitionen in Deutschland sorgen.

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