Busse sollen eine klimafreundliche Ergänzung und Alternative im Straßenverkehr bieten. Es ist jedoch eher selten der Fall, dass sie mit Biogas oder Strom aus erneuerbaren Quellen angetrieben werden. Als Alternative werden seit einigen Jahren Elektrobusse mit Batterien eingesetzt. Noch ist ihre Zahl überschaubar aber die Technik bietet großes Potential.

Technologien zum Laden

Panthograf zur konduktiven Ladung, Quelle: Siemens

Oberleitungen in den Straßen mancher Städte kennt fast jeder. Ob diese schön anzusehen sind, oder sogar einen gewissen Charme versprühen ist eine subjektive Empfindung. Es gibt auch andere Arten der konduktiven Ladung. Kontaktstäbe können aus dem Elektrobus ausgefahren werden, welche an einer Ladestation andocken, oder von einem Panthographen kann sich ein Kontaktarm absenken, wenn der Bus darunter anhält. Beide Möglichkeiten erfordern eine präzise Fahrweise. Als Vorteile bieten konduktive Systeme einen nicht ganz so teuren Anschaffungspreis und sehr hohe Ladeleistungen (bis 450 kW). Via kabelloser Kommunikation erfolgt die Identifikation des Fahrzeugs am Pantographen und der Ladevorgang startet automatisch. Ist die Batterie geladen, oder löst der Fahrer die Feststellbremse beendet das System den Ladevorgang ebenfalls automatisch. Konduktive Systeme integrieren sie sich allerdings nicht so gut in das Stadtbild.

Induktive Systeme hingegen haben den Vorteil, dass man sie nicht unbedingt wahrnimmt. Eine Elektrospule im Boden übermittelt den Strom kontaktlos an eine Elektrospule im Bus. Die Ladung erfolgt mit 200 kWh und 90% Effizienz. Im Bereich der Haltestelle ist lediglich die Kühleinheit und ein Schaltkasten zu sehen, welcher den Stromfluss regelt und das System abschirmt. Die Integration in den Asphalt macht induktive Systeme teuer.

Zwischenladungen auf der Strecke halten die Batterie innerhalb einer Kapazität von 40-60% des Ladezustandes, was hauptsächlich der Erhöhung der Lebensdauer der Batterie dient.

Noch mehr Daten und Fakten

Die Batterie kann ca. 26% des Gewichtes und 39% der Kosten eines Elektrobusses ausmachen. Zwischenladungen auf der Linie mildern diese Faktoren ab. Abhängig von der Strecke, der Häufigkeit des Einsatzes und der Produktion des genutzt Stromes können Elektrobusse in einem Jahr ca. 70.000 kg CO2 einsparen. Elektrobusse sind mit ca. 700.000€ Anschaffungskosten in etwa doppelt so teuer wie Dieselbusse. Allerdings sind die Stromkosten und Wartungskosten pro Jahr um einige 10.000€ geringer. Zudem ist der Neupreis zu ca. 50% der Mehrkosten förderfähig. Am Anfang muss der Betreiber eine nicht unbeträchtliche Mehrinvestition tätigen, aber es lohnt sich. Je nachdem, wie die Busse eingesetzt werden, bzw. ob es sich um die Beschaffung mehrerer Busse für den regulären Einsatz, oder um die Beschaffung eines Busses für eine Studie handelt, gelten andere Fördersätze. Kleine und mittlere Unternehmen können höhere Sätze erhalten, sofern das Vorhaben sonst nicht durchführbar wäre. Ab dem 1. Januar 2018 wird die Beschaffung von mindestens sechs Elektrobussen zur Umstellung von ganzen Linien mit 80% bezuschusst werden.

12 elektrische Kilometer in Braunschweig

Drei Jahre dauerten die Planungen inklusive der Einholung der Fördermittel. Der Elektrobus „emil“ (siehe Titelbild) verkehrt seit März 2014 auf einer 12 Kilometer langen Linie der Stadt. Aufgeladen wird er mittels Induktion. Die Leistungselektronik des Elektrobusses wandelt den Gleichstrom in Wechselstrom um, welcher in der 60 kWh-Batterie auf dem Dach des Elektrobusses gespeichert wird. Über Nacht erfolgt eine vollständige Ladung im Depot. An der Endhaltestelle wird für 11 Minuten geladen. Auf der Linie wird an mehreren Haltestellen für 30 Sekunden geladen, während die Fahrgäste ein- und aussteigen. Mit einem Leergewicht von 13t benötigt der Elektrobus 160 kW zur Fortbewegung.

Laute Gedanken…

Elektrobusse fallen im Straßenverkehr nicht weiter auf, wenn man nicht weiß, dass einer eingesetzt wird. Sie sind sehr leise und verursachen keine lokalen Emissionen. Die Anschaffung kann sich aber nicht jede Kommune leisten. Im Sinne des Umweltschutzes sollte die Förderpolitik noch überdacht werden. Die Förderungen für die Elektrobusse zu erhöhen dürfte für viele Betreiber nicht ausreichend sein, immerhin verursacht die Umrüstung der Haltestellen ebenfalls enorme Kosten.

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