Elektroautos für Menschen mit körperlicher Behinderung

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Übergabe des Kia Soul Elektrofahrzeugs mit Sonderausstattung für Rollstuhlfahrer

Mobilität ist für uns alle eine Chance zur Beweglichkeit. Doch wer mit einer körperlichen Behinderung lebt, der ist angewiesen auf barrierefreie Mobilität. Ich habe mir einmal angesehen, wie Elektromobilität im Rahmen dieser Barrierefreiheit abschneidet.

Menschen mit körperlicher Behinderung denken voraus

Meine Gespräche in den letzten Tagen zeigen, dass Menschen mit einer körperlichen Behinderung wahre Organisationstalente sein müssen, wenn es um ihre Mobilität geht. Um von A nach B zu kommen, gilt es die diversen Fortbewegungsmittel zu kombinieren, ohne dass Schwellen, Treppen oder ähnliches im Weg sind. Der Augsburger Bahnhof sei da mal als wirklich schlechtes Beispiel erwähnt. Alternativ werden entweder Familie und Bekannte aktiviert, um Hindernisse zu überwinden.

Die LEW hat einen KIA zum Elektrofahrzeug umgerüstet

Bei den Lechwerken in Augsburg wurde ich jüngst Zeuge der Übergabe eines Elektrofahrzeugs an einen Rollstuhlfahrer. Bei der LEW hat man zu Testzwecken einen elektrischen Kia Soul für die Nutzung durch Rollstuhlfahrer umgebaut. Das geschah mit Hilfe des Inputs eines Mitarbeiters, der Rollstuhlfahrer ist. So erfolgte eine einmalige Anpassung in der hauseigenen Schlosserei, um ein Handgerät für das Gaspedal zu installieren. Der Einbau dauerte keine 10 Minuten.

„Wir von den Lechwerken möchten auch Menschen mit körperlicher Behinderung in den Genuss der Elektromobilität kommen lassen“ – Markus Weißenberger, Mitarbeiter im Team E-Mobilität.

Die Wahl für diesen Testlauf fiel auf den Kia Soul, weil der Fahrersitz es einfach macht, die Sitzschiene für den Einsatz des Handgerätes anzupassen. Weitere Gründe waren die Kofferraumgröße, die für den Rollstuhl selbst notwendig ist, und die generell gute Übersicht im Kia.

Bei der Übergabe bemerkten wir zusätzlich die Notwendigkeit eines Handbediengerätes als Lenkhilfe am Lenkrad. Nicht jeder Rollstuhlfahrer benötigt diese Hilfe und dennoch ist sie eben unabdingbar für den Kollegen, der den Kia in den kommenden Wochen zur Probe fahren soll. Learning by doing nennt man das wohl. Und doch sind diese Praxiserfahrungen so wichtig, denn es gilt die Elektrofahrzeuge für den alltäglichen Einsatz fit zu machen.

Hindernisse am hinteren Teil des Elektroautos

Ein weiteres Hindernis zeigte sich dann am hinteren Teil des Wagens. Hier sind ja normalerweise die Ladekabel verstaut. Daher ist es sehr wichtig, dass Rollstuhlfahrer im Sitzen das Auto erreichen und bedienen können.

Die herkömmlichen Fahrzeuge lassen jedoch die Kofferraumklappe nach oben schnellen. Da gibt es für einen Rollstuhlfahrer keine Chance, diese Klappe allein zu schließen. Also muss da eine Kordel manuell angebunden werden. Nur so kann die Ladeklappe verschlossen werden, nachdem der Rollstuhl verstaut oder für den Ladevorgang das passende Ladekabel aus dem Kofferraum geholt wurde. Schöner ist natürlich eine automatische Schließvorrichtung, doch die kostet Geld und muss eben erst eingebaut werden.

Letztlich wurden die Probleme beseitigt und ich bin gespannt, welche Erfahrungen der Kollege mit dem Kia Soul electric machen wird. Das Elektroauto steht dann anschließend auch externen Testfahrern zur Verfügung, die aufgrund ihrer körperlichen Behinderung auf die umgerüsteten Wagen angewiesen sind.

Barrierefreien Zugang beim Ladevorgang gibt es kaum

Echte Probleme taten sich dann bei den Ladestationen auf. Rollstuhlfahrer sind angewiesen auf ausreichend Platz für das Öffnen der Fahrertür und auf den barrierefreien Zugang zum Kofferraum. Und das wird meist zum Problem.

Die Ladestationen sind heute in der Regel als Parkplätze mit Standardbreite ausgelegt. Sollten tatsächlich einmal diese Standplätze stärker frequentiert werden, so wird es schwierig für den Rollstuhlfahrer, aus dem Wagen auszusteigen oder von außen mit dem Rollstuhl an die Tür zu kommen. Die beiden Bilder habe ich heute an der Schnellladesäule in Gersthofen aufgenommen.

Löblich ist zwar, dass die Ladestationen auf dem Bild oder an den Rastplätzen im Land mit Hecken und Büschen umfasst sind. Das sieht attraktiv aus und vermittelt im wahrsten Sinne ein grünes Image. Schlecht ist nur, dass diese Begrünung meist mit einem Rand aus Pflastersteinen abgesetzt ist. Der Platz für den dort parkenden Fahrer reicht in der Regel nicht aus, um mit einem Rollstuhl ohne weiteres an das Elektroauto heranzufahren.

Mein Fazit: die Optimierung der Parkfläche in den Städten und die Verschönerung der Ladestationen auf dem Land stellen Rollstuhlfahrer heutzutage vor unlösbare Probleme. Hier müssen wir schnellstens ansetzen, um die Elektromobilität nachhaltig Menschen mit körperlicher Behinderung zugänglich zu machen. Die noch auftauchenden Schwierigkeiten bei der Umrüstung der Fahrzeuge für Menschen mit einer körperlichen Behinderung erscheinen dagegen fast wie die kleineren Probleme.

 

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