Das Bundesland Hessen möchte die Mobilität auf einen nachhaltigeren Weg bringen und denkt dabei nicht nur an die technologischen Aspekte. Das Bundesland hat inzwischen verstanden, dass die genutzte Mobilität stark von deren Qualität und dem damit verbundenen Lebensgefühl abhängt. Dies stellt das gedankliche Konstrukt der Mobilitätskultur dar. Die Friedrich-Ebert-Stiftung veröffentlichte ein Konzept für den Wandel der Mobilität. Die interessantesten Punkte stelle ich hier kurz vor. Dabei liegt der Fokus auf der E-Mobilität, Verbesserungen im Bereich des ÖPNV sowie dem gewerblichen Verkehr.

Die hessische Infrastruktur

Im Süden befindet sich die Verkehrsdrehscheibe Rhein-Main mit dem Frankfurter Flughafen, einem großen ICE-Bahnhof, S-Bahnen und Bussen. Pendler müssen sich jeden Tag durch einen überfüllten ÖPNV oder überfüllte Straßen kämpfen. Im Norden ist es das Gegenteil. Weitläufige Natur mit vielen Freizeitmöglichkeiten. Doch um dort hin zu gelangen muss man lange fahren und der ÖPNV ist nur schlecht ausgebaut. Die Suburbanität beherrscht diesen Raum.

Mobilitätskultur für Hessen

Im Sinne einer Mobilitätskultur möchte der Staat den ÖPNV verbessern und dessen, für Menschen, relevante Orte aufwerten. Gleichzeitig soll der Klimaschutz vorangetrieben werden. Leichte Mobilitätslösungen mit alternativen Antrieben sind ebenfalls im Fokus. Der MIV wurde vielerorts eingeschränkt und suburbane Gebiete wurden zunehmend an den ÖPNV angeschlossen, was zu Entlastungen führte. Seit 2016 gibt es vereinzelt im suburbanen Raum autonom fahrende Kleinbusse und Vans, die Menschen von der Haustüre zu den Umsteigepunkten der großen Linien fahren. Servicepersonal ist dennoch an Bord. Elektrisch betriebene Fahrzeuge aller Art erhalten Sonderrechte und Vorrang um Anreize zum Umstieg zu schaffen. Auch Sharing-Angebote werden verstärkt verfolgt. Dadurch können ältere Menschen ohne eigenen PKW deutlich einfacher mobil bleiben. Besonders wichtig war es, auf die Bedürfnisse der Bürger zu achten und die langjährige Top-Down-Politik nicht weiter zu verfolgen.

Eine Mobilitätsstrategie

Sieben Punkte wurden für den urbanen, wie für den ländlichen Raum als relevant erachtet, um die Mobilitätskultur in Hessen nachhaltiger zu gestalten. Neben der Einführung und Förderung von E-Mobilität im privaten, öffentlichen und gewerblichen Bereich, empfiehlt sich auch die Verknüpfung verschiedener Verkehrsmittel. Wichtig sei zudem, die Aufenthaltsqualität, Verkehrsberuhigung und Barrierefreiheit im Nahraum deutlich zu verbessern und kurze Wege zu etablieren. All das beginnt beim Verständnis für die Gründe der Wahl der Mobilitätsart und der Kommunikation nachhaltiger Mobilität.

Für die Verknüpfung der Mobilität ist eine umfangreiche Kommunikation und Kooperation notwendig. Dafür ist eine frühzeitige Planung, die Einbeziehung der Nutzer, sowie die Verankerung des Managements auf kommunaler Ebene notwendig. Die Verknüpfung von (E-)Kfz, wie auch von (E-)Fahrrädern aller Art ist sinnvoll. Die Vernetzung von Informationen über die Mobilität für den Nutzer gehört ebenfalls dazu. Ein infrastruktureller Ausbau gemäß dem Beispiel von Offenburg ist denkbar.

Im Bereich des gewerblichen Verkehrs gelten Amsterdam und Enschede als Vorbilder. Kleine, elektrische Transporter nehmen die Waren von konventionellen Lieferfahrzeugen an Sammel- und Verteilzentren entgegen und beliefern die Zielorte in der Umweltzone. Durch den leisen Antrieb ist auch die Lieferung bei Nacht möglich.

Die Elektrifizierung von Fuhrparks gilt es zu forcieren. Dafür kann der Steuersatz von einem Prozent des Anschaffungspreises nur für Fahrzeuge zugelassen werden, die den CO2-Ausstoß der Flotte deutlich verringern. Eine entsprechende Firmenpolitik kann zusätzlich den CO2-Wert der Flotte schrittweise verringern. Eine Elektrifizierung des ÖPNV wird ebenfalls vorgeschlagen.

Entsprechende Förderungen Seitens des Bundes und des Landes bilden in allen Bereichen eine nützliche Unterstützung.

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