Diese Woche hatte ich das Vergnügen, einen sehr spannenden Vortrag des CFO des Start-ups e.go zu hören. Vorgestellt wurde der Life und ganz kurz der autonom fahrende Bus, Mover. Es gab zudem einige interessante Einblicke in den Aufbau der Firma und wie diese für die Zukunft aufgestellt ist.

Alles etwas kleiner…

Der Life ist als reines Stadtauto konzipiert. Er spricht einen Kundenkreis an, der damit pendeln möchte und orientiert sich an der durchschnittlichen, täglichen Fahrleistung von etwa 40 km. Die NEFZ-Reichweite liegt bei 136-194 km in Abhängigkeit vom Modell. Vieles unterscheidet das Start-up von den großen Autokonzernen. Produzierte Stückzahlen, welche die Firma glücklich machen, orientieren sich um die 10.000 pro Jahr. Das Potential für diese Produktion in Aachen ist da. Die Zahlen der Vorbestellungen steigen fast täglich. Inzwischen sind es über 1.400 Stück. Nach dem Vorbild von Tesla müssen die Kunden 1.000€ Anzahlung leisten. Insgesamt kostet der Life abhängig von der gewählten Variante um die 16.000-19.000€. Damit hängt er die Konkurrenz preislich ab, abgesehen vom Sion von Sono Motors.

… und günstiger …

Doch wie schafft es die Firma, bei einer kleinen Serie so preisgünstig zu sein? Normalerweise bedeutet eine kleine Auflage hohe Kosten. Der Ausgangspunkt ist nicht die Planung des Produktes, sondern der Produktion. Andere Hersteller berücksichtigen in erster Linie das Endprodukt. Primär kümmert sich e.go darum, die Kosten zu reduzieren. Konkret bedeutet das:

  • reduzierte Fahrzeugkomplexität
  • Fokus auf die Basisausstattung und -funktionen
  • keine unnötigen Spielereien
  • ein anpassungsfähiger Rahmen aus Aluminium
  • ein vollständig konfigurierbares Rolling-Chassis
  • eine multioptionale Bauweise

Für die Produktionsstraße der Firma bedeutet das den direkten Schritt von der Forschung und Entwicklung zur Endmontage. Im Vergleich zu anderen Herstellern entfallen Schritte wie, das Presswerk, der Karrosseriebau oder das Lackieren. Es wird zudem viel Wert auf kurze, interne Wege und die Digitalisierung im Sinne der Industrie 4.0 gelegt.

Auch für die Kunden bedeutet der e.go Life deutlich geringere Kosten, als es bei anderen Elektrofahrzeugen der Fall wäre. Dazu zählt vor allem die Tatsache, dass die äußere Hülle nicht lackiert ist. Sie besteht aus Kunststoff und kann bei Bedarf kostengünstig ersetzt werden. Da der Kunststoff selbst eine Farbe hat sind Kratzer nicht so gut sichtbar, wie Kratzer im Lack. Teure Lackierungs- oder Schweißarbeiten sind damit hinfällig. Sollte der Kunde die Farbe eines Tages nicht mehr mögen, so kann er sich eine neue Außenhülle kaufen und damit die Farbe des Autos wechseln. Das ist auf jeden Fall günstiger, als eine Umlackierung. Diese Faktoren tragen deutlich zum Werterhalt des Wagens bei. Wie der Wiederverkaufswert letztendlich ausfällt, ist natürlich noch nicht klar.

… und flexibler

Diese reduzierten Punkte mit all der Kostenreduktion führen insgesamt zu einem enormen Zeitvorteil, da eine schnellere Entwicklung neuer Ideen möglich ist. Die Kundenmeinung steht für das Unternehmen deutlich im Vordergrund. Wenn etwa 10.000 Kunden ein bestimmtes Feature im Auto haben möchten, dann wird in der Firma überlegt, wie das realisiert werden kann. Durch die kleine und abgespeckte Produktion kann innerhalb von etwa einem Jahr auf neue Ideen eingegangen werden. Deutlich schneller, als es bei großen Herstellern mit großen Stückzahlen der Fall wäre.

Der Produktionsstart ist im Mai auf dem ehemaligen Philips-Gelände auf 16.000m² und die ersten Fahrzeuge werden bereits im Juni ausgeliefert.

Der Fahrzeug-Innenraum wurde übrigens bei dem Vortrag nicht gezeigt, dieser soll eine Überraschung werden. Daher kann es gut sein, dass sich da noch einiges ändert und das Bild von der Homepage gar nicht aktuell ist.

 

Bild: e.go Mobile AG

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