Wer heute durch die Hallen der einstmals größten Automobilmesse der Welt, der IAA in Frankfurt, wandelt, der stößt auf den ersten Blick auf die herkömmlichen Muster. Die großen Fahrzeughersteller zeigen auf bombastischen Bühnen ihre neuen Produkte. Halle 11 beherbergt die BMW Group, genau entgegengesetzt sind Mercedes, Smart & Co aus Stuttgart anzutreffen. BMW beauftragt für ihre Halle auf der IAA standesgemäß die Kölner Staragentur Meiré und Meiré – mit Lichteffekten und futuristischem Design werden die Fahrzeuge aus Bayern in Szene gesetzt. Kaum zu glauben: wer hier durch die vollen Gänge wandelt, der könnte glatt meinen, einen Dieselskandal oder gar die internationalen Herausforderer, die gäbe es überhaupt nicht.

Doch wer ein wenig genauer hinsieht, dem fällt auf, dass es durchaus Veränderungen auf dieser IAA gibt. Mein Kollege Johannes hat bereits auf die fehlenden Hersteller in diesem Jahr hingewiesen. Und wir wollen heute von drei großartigen neuen Machern berichten.

Drei etwas andere Macher(-teams) aus der Mobilitätsbranche

Denn es gibt sie, die positiven Überraschungen unter den Mobilisten. Wir stellen heute drei Gründer oder Gründungsteams aus Deutschland und der Schweiz vor. Sie sind mit Charaktereigenschaften ausgestattet, welche erfolgreiche, digitale Innovatoren heutzutage aufweisen müssen. Sie haben Mut, einen starken Willen, Überzeugungskraft und alle treibt der Wunsch voran, unser mobiles Leben anders gestalten zu wollen. Und sie sind auf dem Weg, unsere Fortbewegung vor allem dank digitalem Fortschritt und ökologisch verankertem Handeln in unseren Städten zu verändern.

Die neuen Fahrzeugbauer – Deutschlands Macher in Sachen Mobilität

Zugegeben, ihre Produkte sind für die Massenmärkte heute wahrscheinlich (noch) nicht geeignet. Ihre Fahrzeuge werden von den großen Herstellern derzeit (noch) belächelt. Doch dass man mit Passion, Ausdauer und relativ kleinem Geldbeutel heute tatsächlich fahrbare, marktfähige Fortbewegungsmittel entwickeln kann, das haben alle Drei bewiesen.

Die Rede ist von den Machern von Sono Motors, von Microlino und e.Go. Drei frische, in diesem Jahr vorgestellte Fahrzeuge, bei deren Entwicklung die Gründer neue Wege beschritten haben.

Über die Crowd Finanzierung zur Machbarkeit

Uns begeistert die extrem spannende Entwicklung bei Sono Motors und deren Fahrzeug namens Sion. Der Unternehmensstart erfolgte auf Basis einer Crowd Finanzierung, über 2.000 Investoren und Freunde der Gründer glaubten an Idee und Konzept und stellten 750.000 Euro zur Verfügung.

Diese Crowd Finanziers sind damit Teil des Ganzen geworden, und die Firmen wie Sono Motors verstehen es, ihre Fans abzuholen. Bestes Beispiel: der grandiose Launch Event des Sion vor wenigen Wochen in München und die derzeit laufenden Präsentation in europäischen Großstädten. Ähnlich enthusiastische Launch Events kennen wir nur beim Vorstellen der jeweiligen neuen Tesla Modelle. Und dass deren Gründer Elon Musk ein grandioser Innovator ist, das weiß inzwischen die ganze Welt.

Zurück zu dem Sion: ein innovatives Elektrofahrzeug mit Energie Speichersystem. Zusätzlich wird die Reichweite dank angebrachter Photovoltaik Module im besten Fall um 30 Kilometer vergrößert. 250 Kilometer Reichweite, schnellladefähig mit 50 kW und mit einem Preis von 16.000 Euro besonders attraktiv für die junge, urbane Zielgruppe.

Der Microlino kombiniert Nostalgie und Fortschritt

Preislich sogar darunter liegt der Kleinst-E-Wagen des Schweizer Tüftlers Wim Ouboter. Er tüftelt seit Jahren an Mobilitätsprodukten im beschaulichen Küsnacht am Zürichsee. Irgendwie ist bei Ouboter die gesamte Familie involviert, vor wenigen Tagen traf ich seinen Sohn Merlin auf der IAA zu einem Gespräch.

Die Schweizer planen die alte Isetta wiederzubeleben. Microlino heißt die Knutschkugel und kommt mit 120 km Reichweite und 90 km/h Höchstgeschwindigkeit daher. Ein Microlino soll gerade einmal um die 13.000 Euro kosten. Es liegen bislang an die 4.000 Bestellungen vor. Im ersten Quartal 2018 werden die ersten 100 Fahrzeuge ausgeliefert. Das klingt überschaubar, soll aber den ersten Empfängern die Möglichkeit geben, direktes Feedback an die Küsnachter zu geben. Alternativ kann man dann auch gegen einen Aufpreis von 2-3 Tausend Franken mit einer 14,4 kWh Batterie die Reichweite auf 215 Kilometer verlängern.

Das einzigartige Design der früheren Isetta wird kombiniert mit dem Einbau eines Elektromotors. Hierbei überzeugt das Team neben technischer Finesse mit starker Kommunikation. Obwohl noch keinerlei Zahlungen potentieller Kunden für einen Microlino abgerufen wurden, versorgt das Team der Micro Mobility Systems AG die Interessenten kontinuierlich mit updates. Und die machen richtig Spaß.

So geht Kundenkommunikation heute

Lässig, locker und stets bemüht, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen. So geht erfolgreiche Kundenkommunikation heute. Ein kleines Beispiel aus dem letzten email von Microlino an die Interessenten der Elektrokugel gefällig?

„Nach knapp eineinhalb Jahren Entwicklungszeit war es endlich an der Zeit, unseren ersten Vorserien-Microlino zu präsentieren. Leider müssen wir schon zum zweiten Mal „Shit Happens“ sagen: nachdem unser erster Prototyp bereits beim Transport beschädigt wurde, wurde nun eine Form für das Vorserien-Fahrzeug während dem Transport beschädigt. Dies hat uns zum Entschluss gebracht, den Vorserien-Microlino nicht an der IAA zu präsentieren, da wir ohne diese Form das Fahrzeug nicht fertigstellen können. Trotz dieses Rückschlags werden wir aber den alten Prototyp an der IAA ausstellen.“

Wohl bemerkt: es geht lediglich um eine Mitteilung für die Verfügbarkeit des Microlinos auf der IAA 2017 in Frankfurt. Als potentieller Käufer fühle ich mich hier abgeholt, das ist Kommunikation, wie ich sie mir wünsche. Und da warte ich auch gerne einmal ein paar Monate auf die Auslieferung dieses eAutos. Dahin-schmelzende Frauenherzen inklusive.

Die Macher um Prof. Schuh der RWTH aus Aachen

Unser dritter Macher unter den Mobilisten kommt aus Aachen, genauer gesagt ist es das Team von der RWTH rund um Prof. Günter Schuh. Es war nicht nur bei der Entwicklung des StreetScooters der Deutschen Post massgeblich beteiligt. Nein, man baute eigenständig in den letzten Monaten einen Stadtflitzer namens e.GO der bereits für unter 12.000 Euro zu haben sein wird.

Laut einem Bericht des Magazins Auto Straßenverkehr ist die erste Jahresproduktion bereits ausverkauft. Ein Zwei-Schicht-Betrieb sei geplant, um dem Andrang begegnen zu können. Somit komme man dann auf eine Jahresproduktion von 20.000 e.GO Elektrofahrzeugen.

Vergleichbar dem Smart ist der e.GO ein kleiner Elektrowagen für die Stadt, hat eine Reichweite von 100 Kilometern und soll auch dank seines günstigen Preises den Einstieg in die Elektromobilität erleichtern. Und er wird die jungen Käufergruppen ansprechen, da bin ich mir sicher.

Drei Teams aus Aachen, Küsnacht und München

Drei Macher und deren Teams also aus Aachen, Küsnacht und München. Offen für Neues, stark in der Kommunikation, ehrlich zu ihren Kunden oder denen, die es werden wollen. Einfach großartig. Und solche Macher werden sich in der Welt der mobilen Fortbewegungsmittel durchsetzen. Und damit den traditionellen Größen der Branche Beine machen. Auch ohne millionenschwere Präsentationen auf Messen wie der IAA. Das moderne Zeitalter der Mobilität hat begonnen und wird durch diese Innovatoren bereichert. Und das ist gut so.

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