Die IAA verliert zunehmend an Bedeutung in der Welt der Automobilindustrie. Bereits im vorletzten Jahr blieb Volvo der Automesse fern. In diesem Jahr erkannten 11 weitere Marken (siehe Titelbild) die Vorzüge anderer Vermarktungswege. Die IAA ist kein Pflichttermin mehr für die Verbreitung eines neuen Modells.

Vielfältige Gründe für die Absagen

Nissan im Speziellen möchte die Veröffentlichungen der eigenen Modelle abseits der großen Messen vollziehen. Das geschieht in einem deutlich kleineren Rahmen, aber zu Zeitpunkten, die für das Unternehmen von strategischem Vorteil sind. Die Präsentation des neuen Nissan Leaf geschah im Vorfeld der IAA vor 200 Journalisten, anstatt vor 10.000, wie auf der IAA üblich. Allerdings hatte Nissan dadurch eine Konzentration der Messe auf die eigene Marke und den neuen Leaf, anstatt in der Masse unterzugehen.

Andere Marken, wie DS Automobile von PSA, setzen auf eigene Roadshows und andere Messen für die Präsentation neuer Modelle. Messen für Neuheiten der Digitalisierung gewinnen ebenso an Bedeutung. Denn die Digitalisierung hält in den Fahrzeugen, insbesondere in Elektrofahrzeugen, verstärkt Einzug. Dort gibt es entsprechend weniger Konkurrenz als auf den großen Automessen. Diese Strategie verfolgt auch Tesla. Besonders Hersteller von Elektrofahrzeugen möchten sich von den konventionellen Strategien abheben. Neue Technologien sollen neue Vertriebskanäle bekommen. So erreicht man individuelle Aufmerksamkeit.

Elektrofahrzeuge in konventionellen Marketingstrategien?

Die Präsentation des Model 3 von Tesla geschah im Rahmen der Übergabe der ersten 30 Fahrzeuge an die Kunden. Über soziale Medien wurden im Vorfeld Informationen und Bilder veröffentlicht. Es gab einen Livestream der Show, die Produktionsstätte wurde gezeigt, der Sieger eines Fan-Video-Wettbewerb wurde gekührt und ein Crashtest-Video wurde gezeigt. Nach einer knappen Stunde war die sehr medienwirksame Show vorbei.

Für rein elektrische Marken ist die IAA mit den vielen klassischen Verbrennermotoren kaum eine adäquate Option. Hauptsächlich präsentieren alteingesessene, deutsche Marken ein paar elektrische Fahrzeuge. Führende Marken im Bereich der Elektromobilität bleiben der IAA 2017 fern. Es erscheint viel sinnvoller, die elektrische Marke von der klassischen Vermarktung abzukoppeln. Abgesehen davon kostet ein Messeauftritt zwischen 10 und 25 Millionen und die jüngere Generation bezieht die Informationen über neue Fahrzeuge ohnehin meist aus dem Internet. Daher erscheint es sinnvoller, das Geld in andere Werbemaßnahmen zu investieren und den Kunden und Journalisten die Möglichkeit zum Test der Fahrzeuge zu geben.

Eine ähnliche Strategie fuhr Nissan mit dem neuen Leaf. Kleine Appetithäppchen wurden über die sozialen Medien im Vorfeld in Form von Bildern und Informationen über technische Neuerungen verbreitet. Letzte Woche folgte die Premiere in einem, von Nissan organisierten, vergleichsweise kleinen Event mit großer Medienwirkung ohne Konkurrenz.

 

 

Die Rechte der Logos im Bild liegen bei den einzelnen Marken

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