Die Elektroposse um den Streetscooter der Post

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Manchmal ist es absurd, was uns an Nachrichten aus den Zentralen der großen deutschen Automobilkonzerne erreicht. In dieser Woche ist es der ohnehin schon schwer geplagte Volkswagen-Konzernchef Matthias Müller, der anscheinend schwer sauer ist auf die Deutsche Post aus NRW.

Was ist passiert: die Post bringt frisch zum Ende des diesjährigen Sommerlochs eine Erfolgsgeschichte in Sachen Elektrotechnik in die Medien: der Streetscooter als eigener Elektrotransporter der Post wird in Eigenregie gebaut. Nicht aus Stuttgart, München oder eben Wolfsburg, nein gemeinsam mit einem inzwischen hauseigenen Startup bringen die Bonner die elektrischen gelben Flitzer auf den Markt. Und da äußert sich der VW Lenker bei einem Gespräch im Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten nun eben schwer enttäuscht.

‚Es war kein adäquates Fahrzeug zu bekommen‘

Die Deutsche Post hingegen kontert selbstbewusst: ‚es war kein Fahrzeug zu bekommen, das unseren Ansprüchen gerecht wurde.’ Das klingt frech, doch wenn man einmal hinter die Kulissen sieht, so erkennt man, dass die Macher hinter dem gelben eScooter eben doch auf dem richtigen Weg sind.

Die Deutsche Post bezeichnet sich selbst als Vorreiter in der Nutzung alternativer Antriebe. Sie fördert seit Jahren die Forschung für den Einsatz neuer Technologien. Dafür kooperiert sie mit Forschungsinstituten und wissenschaftlichen Einrichtungen, wie etwa der RWTH in Aachen. Ziel sei es ‚die Effizienz der eigenen Fahrzeugflotte zu verbessern und die Zielvorgaben des konzerneigenen Umweltprogramms GoGreen umzusetzen.’

Streetscooter helfen Kosten senken

Kein Wunder, bei der Anzahl an Auslieferfahrzeugen des Streetscooter in Stadt und Land geht es hier neben der Möglichkeit, weniger CO2-Emissionen zu generieren auch um knallharte Kostensenkung zum Beispiel bei den Servicekosten und wie zumeist um staatliche Subventionen. Konzernvorstand Jürgen Gerdes verkündete daher im August auch stolz gemeinsam mit der Bundesministerin für Umwelt Barbara Hendricks den Launch des inzwischen 1.000sten Streetscooters.

Die Zieldaten für den eScooter sind Zeugnis des Erfolges: im Jahr 2017 möchte man 10.000 Elektrofahrzeuge auf den Straßen haben. Da die Post mit mehr als 70.000 Fahrzeugen im Einsatz eine der größten Flotten der Welt aufweist, werden danach noch wesentlich größere Stückzahlen folgen.

Und das macht halt Appetit auf mehr und dürfte wohl ein Grund für die schlechte Laune auf Seiten des VW Chefs gewesen sein. Der gibt sich jedoch nicht so schnell geschlagen. Berichten zufolge habe Matthias Müller den Chef der eigenen Nutzfahrzeugsparte, Eckhard Scholz, gebeten, Kontakt zu Jürgen Gerdes aufzunehmen. Es gelte zu prüfen, inwiefern die Wolfsburger nicht doch noch auf das Projekt aufsteigen könnten. Interessant wäre es für Volkswagen auf alle Fälle, denn der Konzern befindet sich im radikalen Umbau nach all den Skandalen der letzten Monate und könnte eine Erfolgsmeldung in Sachen eMobilität gut gebrauchen.

3 KOMMENTARE

  1. Sicherlich lassen sich durch Streetscooter mit elektrischen Antrieben Kosten sparen. Und bei der Menge an Fahrzeugen, könnte sich das auch schon ein ganz klein Wenig auf die Umwelt auswirken. Von daher gilt es die Post schon einmal zu loben. Für Pünktlichkeit und Service kann ich es nicht tun

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