In meiner Serie über die Elektromobilität 2018 betrachte ich alle wichtigen Automobilhersteller und ihren zukünftigen Umgang mit der elektrischen Fortbewegung. So habe ich bereits Tesla und BMW beleuchtet und will mich in diesem Artikel Daimler widmen.

Die Schwaben scheinen den Start, wie die meisten deutschen Hersteller, verschlafen zu haben. Bisher hat man Fortschritte nur bei dem Tochterunternehmen SMART erkennen können. In der gewerblichen Sparte wurde der E-FUSO Vision One angekündigt und die neue Marke EQ soll bald die ersten Ergebnisse in Serie präsentieren. Es stellt sich die Frage: Was können wir 2018 von Daimler erwarten und welche Modelle des Mutterkonzerns kommen bald auf den Markt?

Mit einer ‚modellübergreifenden Elektrofahrzeug Architektur für batteriegetriebene Fahrzeuge‘ ging der deutsche Autobauer Mercedes-Benz bereits im Juni 2016 in die Offensive. In Stuttgart hatte man offensichtlich die Zeichen der Zeit erkannt: insgesamt investieren die Schwaben in den kommenden Jahren 14,5 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung, und davon sollen 50% in sogenannte ‚grüne Technologien‘ fließen. Das „Concept EQ“ soll das Elektroauto schon bald auf die Überholspur führen und 2019 auf den Markt kommen.

Derzeitiger Stand

Der derzeitige Stand könnte jedoch nicht ernüchternder sein. Kein einziges reines Elektroauto kann der Käufer momentan bei den Schwaben erwerben. Die elektrische B Klasse kam Mitte 2014 auf dem Markt. Das Auto verfügte über eine 28 kWh große Batterie, kam nie an relevante Absatzzahlen und wurde somit eingestellt. Ganz anders sieht es bei der Tochter SMART aus.

SMART – alles elektrisch

Der Autokonzern will mit seinem Kleinwagen Smart die Elektroszene erobern. Spätestens mit der nächsten Generation 2020/21 wollen die Schwaben den kleinen Flitzer nicht mehr mit Verbrennungsmotoren anbieten. Laut dem manager magazin will Daimler alle Varianten der Smart Familie auf den Elektroantrieb umstellen. Der Plan gilt also für den Zweisitzer, sowie für die Vierpersonenvariante. Bereits 2015 wurde die Dieselvariante aus den Verkaufsräumen verbannt.

Seit 2007 ist Smart mit dem Elektro-Antrieb erfolgreich. Auch die neueste Auflage des kleinen City-Coupés wurde jetzt elektrifiziert, genauso wie der große Bruder, der Viersitzer Forfour und das zweisitzige Cabrio, die auch elektrisch betrieben werden können. Zieht man die Förderung von 4.000€ ab, kann man für Preise zwischen 18.000€ für den Smart fortwo bis 21.000€ für das Cabrio erhalten.

Mercedes-Benz Vans

„Wir sind von der Notwendigkeit des elektrischen Antriebs in unseren Vans überzeugt, allen voran im innerstädtischen Bereich“, Mercedes-Benz Vans Chef Volker Mornhinweg. Man stellt also für seine gewerblichen Transporter im kommenden Jahr auf die E-Mobilität um. Der eVito kann ab sofort ab 39.990 Euro vorbestellt werden und ist man unter den ersten 1.000 Käufern, erhält man ein Servicepaket inklusive Wallbox gratis dazu.

Die Daten des eVito  im Überblick:

  • Die Batteriekapazität beträgt 41,4 kWh.
  • Die Reichweite liegt bei 150 Kilometern.
  • Die Leistung liegt bei 84 kW (114 PS)
  • Die Höchstgeschwindigkeit beträgt zwischen dem Maximaltempo von 80 km/h in der Stadt und 120 km/h für schnellere Fahrten.
  • Der Akku lässt sich innerhalb von rund sechs Stunden vollständig aufladen.

GLC F‑CELL 2018 in Serie

Was erwartet uns im Jahr 2018 bei Daimler? Neben dem eVito wird auch der GLC F‑CELL in Serie gehen. Das unter dem neuen Stromer-Label EQ Power veröffentlichte Fahrzeug soll Brennstoffzellen- und Batterietechnik zu einem Plug-in-Hybrid kombinieren. Das Potenzial ist hoch und könnte mit der kurzen Betankungszeit einer der alltagstauglichsten Elektro-Pkw weltweit werden. Mit den 4.4 kg Wasserstoff kann man laut Daimler 437 Kilometer weit fahren und die zusätzlich verbaute Lithium-Ionen-Batterie stellt weitere 49 Kilometer an Reichweite zur Verfügung. Die Daten lassen sich sehen. 160km/h Höchstgeschwindigkeit und 200 PS dürften für genügend Power sorgen.

„Unsere langjährige Erfahrung bei der Brennstoffzellentechnologie zahlt sich beim neuen GLC F-CELL voll aus: Die hohe elektrische Reichweite, kurze Betankungszeiten und die Alltagstauglichkeit eines SUVs werden ihn zum perfekten Begleiter machen. Möglich wird das erst durch die kompakte Bauweise unseres Brennstoffzellensystems. Ebenfalls eine echte Weltpremiere ist die Kombination mit einer großen zusätzlichen Lithium-Ionen-Batterie, die sich bequem per Plug-in-Technologie aufladen lässt“, Mercedes-Chefentwickler Ola Källenius. (Pressemeldung)

Mercedes EQC ab 2019

Daimler will den neuen Mercedes EQC voraussichtlich in Bremen fertigen lassen. Mit bis zu 500 Kilometern Reichweite ist der für 2019 geplante Wagen das erste rein elektrische KFZ der neu gegründeten Marke EQ. Die neue Produktmarke für den eigenen Elektromobilitätsauftritt steht für „Electric Intelligence“ und mit dem „Concept EQ“ will Mercedes zeigen, wie ein sportliches SUV Coupé mit batterieelektrischem Antrieb aussehen kann. Zwei Elektromotoren sollen bis zu 300 kW Leistung erbringen und ein permanenter Allradantrieb sorgt für den Vortrieb. Die Reichweite soll bei bis zu 500 Kilometern liegen.

Die Lithium-Ionen-Batterien stammen von der Daimler-Tochter Deutsche ACCUMOTIVE. Man erwartet eine modellspezifische Gesamtkapazität von über 70 kWh. Weiterhin geht man davon aus, dass sich das Modell um die 40.000€ bewegen wird.

Daimler und die Elektromobilität

Daimler hat die Elektromobilität im Fokus. Das sieht man an der Elektrifizierung des Tochterunternehmens SMART und an der eigens gegründeten Marke EQ.  Auch was einen möglichen Wegfall von Arbeitsplätzen angeht, so scheint man bei den Stuttgartern gelassen.

Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth betonte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart: „Richtig ist, dass ein sehr langer Übergang stattfinden wird, dessen Dauer und Intensität im Moment keiner vorhersagen kann“. Die konventionelle Antriebstechnologie werde es noch eine ganze Zeit geben, der Anteil elektrisch betriebener Fahrzeuge werde wachsen. „Und vielleicht wird es auch eine dritte oder vierte Variante geben, an die man heute noch nicht denkt oder die nicht so im Fokus steht.“

Bei Daimler hat man den gut 130.000 Stammbeschäftigten im Inland sogar eine Jobgarantie bis 2029 ausgesprochen und bereits 2025 will man den Anteil der Elektrofahrzeuge am Absatz auf 15 bis 25 Prozent heben. Man hat ehrgeizige Pläne und forscht in alle Richtungen. Viele meiner Leser haben in Kommentaren bereits die Kombination eines Wasserstoffantriebs erwähnt. Vielleicht haben sich die Schwaben hier schon einen wichtigen Weg gesichert und mit der Einführung 2018 wird man die Reaktionen der Käufer sehen können.

Wer ist bei Ihnen im Rennen um die elektrischen Antriebe vorne? Daimler, Tesla oder BMW?

 

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