Das Berliner Start-up, Chargery, lädt Elektroautos auf, denen unterwegs der Strom aus geht. Aber sie könnten auch einen anderen, kommerziellen Einsatz haben, die Elektromobilität vorantreiben und die Verbreitung des eigenen Autos eindämmen.

Wie funktioniert Chargery?

Bei Bedarf kann der Besitzer eines Elektrofahrzeugs das Start-up via eigener App kontaktieren und die gewünschte Uhrzeit der Ladung übermitteln. Der Ladevorgang wird vollständig durch Chargery durchgeführt. Ein speziell entwickelter Sicherheitsbehälter wird auf einem eigens entworfenen Anhänger mit einem E-Bike zum Standort des Autos gefahren. Auch der Anhänger ist elektrisch betrieben, um die Last für den Motor des E-Bikes zu verringern. Durch eine permanente Übermittlung des Ladezustandes erfolgt die Überwachung des Vorgangs.

In dem Behälter befindet sich die neueste Lithium-Ionen-Technologie zur Speicherung von derzeit 24 kWh Strom, was etwa für 160 km genügt. Für die nötige Stoß- und Vibrationssicherheit wurden beim Bau industrielle Standards als Maßstab verwendet. Zurzeit erfolgt die Ladung via DC mit einem Typ 2 und einem CHAdeMO-Stecker. Die Ladeleistung soll in Zukunft auf 50 kW ansteigen. Der nötige Wechselrichter und das Batteriemanagementsystem sind bereits an Bord.

Ein paar Eckdaten

Chargery lädt selbstverständlich nur mit umweltfreundlichem Strom. Einige Vorteile bietet das Unternehmen in einer Umgebung mit schlecht ausgebauter Infrastruktur. Man muss ebendiese nicht suchen und hat quasi immer und überall eine Ladesäule. Ein flächendeckendes Angebot von Chargery würde einen enormen Gewinn von Unabhängigkeit mit dem eigenen Elektrofahrzeug bedeuten – auch auf längeren Fahrten. Zur Nutzung des Angebots ist keine Ladekarte nötig. Die Bezahlung erfolgt im Rahmen der Nutzung. Eine Mitgliedschaft ist nicht erforderlich.

Gedankenspiele für die Zukunft

Das Start-up könnte mit E-Carsharing-Unternehmen kooperieren, oder die mobile Ladestation in Serie produzieren und an solche Unternehmen verkaufen. Dann wäre eine erhebliche Flexibilisierung von E-Carsharing-Angeboten möglich. Eine Loslösung vom stationsbasierten Konzept, hin zum Free-Floating wäre einfacher denkbar. Das Free-Floating bedeutet derzeit einen enormen logistischen Aufwand. Denn die Fahrzeuge müssen zur Ladesäule gebracht werden. Zudem muss zudem ein Ladepunkt frei sein. Möglichst in einem Gebiet mit derzeit wenig Abdeckung der eigenen Fahrzeuge. Dies in Kooperation mit dem Kunden zu bewältigen ist nicht ganz einfach, ohne erhöhten Einsatz von eigenem Personal. Schließlich müsste der Kunde sein Fahrzeug dort abstellen, wo dies gerade für das Carsharing-Unternehmen sinnvoll ist. Das ist ja nicht der Sinn von Carsharing.

 

Bild: Fabian Reetz

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