Car Clubs in Schottland – mehr als nur Sharing

0
Car Clubs in Schottland – mehr als nur Sharing
Quelle: Sabrina Pfeifer

Car Clubs in Schottland. In Großbritannien sind die Sharing-Dienste, die man so aus Deutschland kennt, eher weniger vertreten. DriveNow fährt zwar durch London, car2go z.B. sucht man allerdings vergebens. Viel mehr Zuspruch findet auf der großen grünen Insel etwas anderes: sogenannte Car Clubs. Um diesen Bereich auszubauen, ist in Schottland der Verband „Transport Scotland“ eingestiegen und hat das „Developing Car Clubs in Scotland“ Programm ins Leben gerufen. Die non-profit Organisation Carplus Bikeplus, die in ganz Großbritannien die Share-Kultur fördern soll, stützt unter anderem die Umsetzung des Programms.

Eine neue Perspektive

Carplus Bikeplus hat sich zum Ziel gesetzt, eine neue Perspektive auf Fortbewegungsmittel und die Sharing-Mentalität zu kreieren. Die Organisation selbst ist kein Car Club, sondern unterstützt Anbieter, Gemeinden und Verwaltungen in Sachen Technik und praktische Umsetzung. Da an die NGO auch ein Research Center angeschlossen ist, gibt sie jährliche Studien heraus, die die Mitgliederzahlen und registrierte Autos, sowie die Nutzung dieser erfassen. Zudem messen sie z.B den Einfluss von Carsharing auf die Luftqualität.

Car Clubs – was dahinter steckt

Einer der ältesten Car Clubs heißt heute enterprise car club und gehört zur gleichnamigen Autovermietung. Sie wurden und werden auch jetzt noch von Städten und Gemeinden betrieben. Kern ist die gemeinschaftliche Anschaffung, Nutzung und Unterhaltung von Autos. Städteübergreifende oder auch UK-weite Clubs haben sich seit dem Jahr 2000 auch mehr und mehr etabliert. Nach und nach kamen dabei auch die grüneren Fahrzeuge ins Spiel. Das alles ist nicht zu verwechseln mit Carpooling, bei dem private Fahrgemeinschaften gebildet werden. Oder die Sorte Car Clubs, die von Oldtimer-Liebhabern gegründet wurden.

Carplus – Förderung durch NGO

Um die Car Clubs besser zu organisieren und so ein größeres Netzwerk zu schaffen, wurde im Jahr 2000 die Organisation Carplus – damals noch „Community Car Share Network“ (CCSN) – ins Leben gerufen. 15 Jahre später kam Bikeplus hinzu, um auch die Fahrrad-Sharing Seite zu fördern. Diese NGO soll für die Entwicklung von Car Clubs und anderen Sharing-Systemen im ganzen Vereinten Königreich sorgen. Mittlerweile sind laut Carplus inselweit über 4000 Fahrzeuge in Car Clubs registriert – bei 245.000 Mitgliedern, 11.000 davon in Schottland.

Schottische Regierung wieder dabei

Jeder Car Club kann sich bei Carplus Bikeplus registrieren, um von dessen Support zu profitieren. Sei es Unterstützung bei der Verwaltung der Mitglieder und der Kosten oder aber auch einfach finanzielle Unterstützung. In Schottland gibt es seit 2010 das „Developing Car Clubs in Scotland“- Programm. Es wurde durch den Transport Scotland Verband ins Leben gerufen und somit ist auch hier wieder die Schottische Regierung mit im Spiel. Der Verband ist nämlich die nationale Transportbehörde. Carplus Bikeplus kümmert sich um die Umsetzung dieses Programms vor Ort. So hat sich seit dem Start die Anzahl der Clubs innerhalb von vier Jahren verfünffacht (von drei Clubs in 2010 auf 16 in 2014). Eine Million Pfund an Unterstützung hat Transport Scotland dafür gezahlt.

Ziele des DCCS

Es geht um mehr als nur Sharing: Der Schottische Regierung möchte mit dem DCCS den CO2-Ausstoß reduzieren und die Luftqualität verbessern. Die Verbreitung von elektrisch betriebenen und low-emission Fahrzeugen ist daher ein wichtiger Bestandteil. Laut Carplus Bikeplus fahren Car Club Mitglieder 2017 in Schottland 332 der saubersten Autos. Aber diese Ziele sehen noch tiefgreifendere Einschnitte vor: Die Abhängigkeit vom eigenen Auto soll verringert werden, sprich die Anzahl rein privat genutzter Autos soll weniger werden. Damit einher geht die Reduzierung der gesamten Anzahl von Fahrzeugen auf schottischen Straßen. Zudem ist der Plan, diese Clubs mehr und mehr in die öffentlichen Verkehrsmittel mit einzubeziehen. Der Grund: Insbesondere ländliche Gebiete sollen besser angebunden werden.

Und in Deutschland?

Ähnliche Modelle gibt es in Deutschland schon – wie etwa das Stadtmobil. Allerdings können Zweifel gehegt werden, dass sich die Deutschen in naher Zukunft überreden lassen, ihr eigenes Auto ganz aufzugeben und nur noch Carsharing im Sinne der Car Clubs zu betreiben. Möglicherweise wären die jüngeren urban aufgewachsenen Generationen tatsächlich noch eher dazu bereit. Bei den älteren würde mit Sicherheit die Angst mitschwingen, im Alter nicht mehr mobil sein.

Projekt mit Potential

Die Menschen über solche Clubs an die E-Mobilität heranzuführen, ist allerdings eine Idee, die Anerkennung verdient. Vor allem, da sie nicht von großen Autofirmen eingeführt und gefördert werden, sondern von Regierung und Gemeinden. Meiner Meinung nacht erscheint das ganze Konzept damit in einem eher sozialen und umweltschützenden Licht und hat das Potential mehr Menschen dafür zu gewinnen.

Kommentar verfassen