Autonomes Fahren in der Landwirtschaft

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Autonomes Fahren in der Landwirtschaft
Quelle: trendsderzukunft.de

Autonomes Fahren in der Landwirtschaft ist ein stark wachsendes Anwendungsfeld. Die Einsatzmöglichkeiten von  autonomem Fahren können sehr vielseitig sein. Im ersten Moment verbindet man das Thema immer mit seiner eigenen Situation und denkt darüber nach, wie sich das Autofahren verändern wird. Weiter gedacht hat autonomes Fahren aber noch deutlich mehr Anwendungsfelder. Eines hiervon ist der Einsatz in der Landwirtschaft. Hiermit sind vor allem selbstfahrende Traktoren gemeint. Diese sollen dann eigenständig über das Feld rollen und auch in der Lage sein Saat dabei auszubringen. Was die Nutzung solcher Traktoren angeht, ist man sogar teilweise schon weiter als bei dem autonomen Fahren mit dem Automobil. Die Vorteile leuchten ein. Während man bei einem autonomen Fahrzeug noch berücksichtigen muss, wie es sich im Straßenverkehr mit Straßenregeln und anderen Verkehrsteilnehmern verhält, ist es bei einem Traktor, der seine Arbeit auf einem weiten Feld verrichten kann, in der Theorie deutlich einfacher mit dem Selbststeuern. Wird es also so kommen, dass der Bauer irgendwann in der Hängematte liegt, während sein Traktor die Arbeit erledigt?

Autonomes Fahren mit einem Traktor von CNH Industrial

Aktuell ist man vom komplett eigenständig arbeitenden Traktor, der die Arbeit des Bauern komplett übernimmt noch entfernt. Allerdings gibt es die ersten Entwicklungen von autonom fahrenden Traktoren. Eigenständige, GPS-gesteuerte Lenkungssysteme kennt man schon länger. Und auch bei den autonomen Traktoren geht es weiter voran. Besonders zu erwähnen ist in dieser Entwicklung das global agierende Unternehmen CNH Industrial. Dieses hat in Heilbronn seinen deutschen Sitz. Mit dem NH Drive und seinem Nachfolgemodell dem Case IH hat das Unternehmen zwei selbstfahrende Traktoren entwickelt. Sie kamen bisher überwiegend in den USA zum Einsatz. Die Traktoren sollen schneller und präziser arbeiten können als die vom Menschen gesteuerten. Der NH Drive sieht zunächst wie ein ganz normaler Traktor aus. Unter der Haube ist aber Hardware zum Selbstfahren verbaut, die sich vom Bauern über eine App bedienen lässt. Der Traktor fährt autonom auf das Feld, verrichtet seine Arbeit und kehrt dann selbständig zu seiner Basis zurück. Das Ganze funktioniert nur, wenn die Wege zuvor kartographiert wurden. Wenn der Traktor am Feld ankommt, kann er durch die Vermessung des Feldes die effektivste Route über das Feld berechnen. Dies soll einer der großen Vorteile gegenüber der menschlichen Steuerung sein. Allerdings muss der Bauer weiterhin eingreifen können. Der Traktor bekommt über ein Radar mit, wenn sich ein Hindernis vor ihm befindet. Dann gibt er dem Bauern über die App ein Signal und dieser kann dann eine Entscheidung treffen, wie sich der Traktor verhalten soll. Dies kann noch nicht eigenständig passieren. Die Gefahr, das Feld zu beschädigen, wenn der Traktor selbständig das Hindernis umfährt, ist noch zu hoch. Der Bauer hat über eine Desktopfunktion oder eine App immer genau im Blick, was gerade passiert. Dazu sind vier Kameras eingebaut. Er kann die berechnete Route verfolgen und zudem werden ihm Motorwerte und der Stand der Tanks angezeigt.

Autonomes Fahren in der Landwirtschaft
Quelle: redaktionderzukunft.de

Effektiver Einsatz in der Landwirtschaft: Düngen

Doch dass der Traktor selbständig fährt, soll noch nicht alles sein. Man erhofft sich, bis 2025 auch in anderen Bereichen der Agrarwirtschaft noch weiter zu sein. Die Entwicklungen gehen dahin, dass der Traktor auch selbst Saat ausbringen kann. Es geht allgemein darum, die Produktivität von Anbauflächen zu steigern. Hier geht es auch um den Eintrag von Dünger und Pflanzenschutzmitteln. Die so genannte Streifenbewirtschaftung bei Reihenfrüchten soll einfacher gehen. Also bei allen Früchten und Gemüsesorten, die in einer geraden Reihe angebaut werden. Versuche haben gezeigt, dass sich durch die gezielte Ansteuerung der Nitrateintrag um 10 Prozent senken lässt.

Anwendung in Deutschland

Einer der großen Kritikpunkte ist, dass die Anwendung bisher vor allem auf die Bewirtschaftung von amerikanischen Farmen ausgelegt ist. Dies liegt aber nicht ausschließlich an der Technik, sondern auch an den Unterschieden zwischen der deutschen und der amerikanischen Landwirtschaft. In den USA hat man überwiegend Farmen mit einer enorm großen Fläche, die nur durch Privatwege getrennt sind. In Deutschland sieht die Struktur eher so aus, dass die Felder weiter vom Bauernhaus entfernt sind und man sie über eine öffentliche Straße anfahren muss. Dies bedeutet: wenn die Technik auch in Deutschland zur Regel werden soll, müssen die Traktoren in der Lage sein, auch auf öffentlichen Straßen fahren und navigieren zu können. Dies ist bisher nicht möglich. Dennoch wurden die Entwicklungen von CNH Industrial im März diesen Jahres auf der Agrarmesse SIMA in Paris erstmals in Europa vorgestellt. Es bleibt also spannend zu verfolgen, wie sich der Einsatz der autonomen Traktoren auf dem deutschen Markt entwickeln wird.

 

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