In dieser Woche hat die WSW mobil GmbH aus Wuppertal eine Beschaffung für 63 Brennstoffzellenbusse für den öffentlichen Nahverkehr ausgeschrieben. Die WSW koordiniert die gemeinsame Beschaffung für die Partner Verkehrs-Verbund Mainz-Wiesbaden GmbH, traffiQ Frankfurt, Regionalverkehr Köln GmbH und SASA SpA-AG in Bozen, die diese Busse in den nächsten Jahren einsetzen wollen. Die genauen Bedingungen zu der Ausschreibung findet man auf Tenders Electronic Daily.

Brennstoffzellenbusse mit 400km Reichweite

Durch die Verminderung des Ausstoßes von Emissionen wie Stickoxid liefern Brennstoffzellenbusse einen maßgeblichen Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität in Städten. Mit Reichweiten von bis zu 400 km (im Sommer wie im Winter) können sie genauso flexibel eingesetzt werden wie Dieselbusse. Der benötigte Wasserstoff ist entweder ein Beiprodukt aus der chemischen Industrie oder wird an den Standorten per Elektrolyse aus erneuerbar gewonnenem Strom produziert.

Interessant ist die koordinierte Beschaffung der Fahrzeuge auf Basis eines gemeinsam erstellten Lastenhefts. Andreas Meyer (WSW): „Durch die konstruktive Zusammenarbeit der beteiligten Unternehmen – auch mit dem gemeinsamen Ziel, den ÖPNV ein wenig grüner zu gestalten – konnte ein schneller Konsens der technischen Ausführungen hergestellt werden. Wir hoffen hierdurch einen Grundstein nicht nur für diese Beschaffungsrunde, sondern auch für folgende geschaffen zu haben.“

Europäisches Verbundprojekt JIVE

Die gemeinsame Fahrzeugbeschaffung erfolgt als Teil des europäischen Verbundprojekts JIVE (Joint Initiative for Hydrogen Vehicles across Europe), das vom Fuel Cell and Hydrogen Joint Undertaking (FCH JU) der EU gefördert wird. Insgesamt werden sogar 139 Brennstoffzellenbusse in 9 europäischen Städten und Regionen beschafft. JIVE ist damit das größte Projekt für Brennstoffzellenbusse in Europa. Die deutschen Partner bewerben sich parallel um eine Förderung im Nationalen Innovationsprogramm Wasserstoff und Brennstoffzellentechnologie (NIP II) der Bundesregierung. Diese hat die Markteinführung von Brennstoffzellenanwendungen in Deutschland zum Ziel. Weitere Ausschreibungen finden parallel in anderen europäischen Clustern statt. Zudem läuft aktuell eine Bewerbung beim FCH JU über ein Folgeprojekt in ähnlicher Größenordnung.

Dem hiesigen Beschaffungsnetzwerk gehören 15 Verkehrsunternehmen aus Deutschland und Südtirol an, die sich das Ziel gesetzt haben, ihre Flotten mittelfristig auf emissionsfreie Fahrzeuge umzustellen.

Der Koordinator des Busclusters, also der Gruppe der am Brennstoffzellenthema interessierten Verkehrsunternehmen, Frank Koch erklärt: „Immer mehr Städte stehen vor strengen ordnungspolitischen Maßnahmen, weil die Schadstoffbelastung der Luft zu groß ist. Emissionsfreie Busse mit Batterien und Brennstoffzellen tragen dazu bei, die Luftqualität deutlich zu verbessern. Die gemeinsame Beschaffung ist ein wichtiger Meilenstein bei der Vorbereitung des Marktes für Brennstoffzellenbusse.“

Mit JIVE werden Brennstoffzellenbusse in großer Stückzahl in den ÖPNV integriert, indem viele Städte und Regionen bei der Beschaffung zusammenarbeiten und somit größere Bestellungen bei den Busherstellern platziert werden können. Die Beschaffungsaktivitäten in mehreren geografischen Clustern nutzen weitgehend identische Lastenhefte.

Zu den beteiligten Städten und Regionen gehören Wuppertal, Rhein-Main, Region Köln, London, Birmingham, Dundee, Aberdeen, Bozen, Riga und Slagelse. Das Projektkonsortium besteht aus 22 Partnern aus 7 Ländern: Element Energy Ltd, Aberdeen City Council, Birmingham City Council, Dundee City Council, EE ENERGY ENGINEERS GmbH, Energy Universe Europe ApS, Fondazione Bruno Kessler, HyCologne – Wasserstoff Region Rheinland e.V., Hydrogen Europe, London Bus Services Ltd, West Midlands Travel Ltd, PLANET GbR, RebelGroup, Rigas Satiksme Sia, Regionalverkehr Köln GmbH, SASA SpA-AG, ThinkStep AG, Trentino Trasporti S.p.A., Union Internationale des Transports Public, Verkehrs-Verbund Mainz-Wiesbaden GmbH und WSW mobil GmbH.

Es kommt Bewegung in die Szene der alternativen Antriebe. Gemeinsame Ausschreibungen, wie diese, sind sinnvoll, da sowohl das Know-how gebündelt wird, als auch interessante Preise erzielt werden können. Es bleibt abzuwarten, wer der großen Hersteller sich in diesem europäischen Vorzeigeprojekt durchsetzen wird.

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