Für den Verbraucher gut, für den KFZ-Mechatroniker und Werkstatt Besitzer schlecht. Die eMobilität kann dafür sorgen, dass durch den geringeren Wartungsaufwand an Elektroautos, die Anzahl der Werkstätten sinkt. Ulrich Große, Hauptgeschäftsführer des sächsischen Landesverbands des Kfz-Gewerbes hat in einem Interview mit Freie Presse über den Wandel gesprochen, die die Elektromobilität mit sich bringen könnte.

„Wenn die angekündigten Reichweiten von bis zu 500 Kilometern Realität werden, wenn sich die Preise für E-Autos auf dem Niveau von denen mit Verbrennungsmotor bewegen und wenn ich mein Auto überall bequem laden kann, egal ob ich auf der Autobahn, in der Stadt oder auf dem Land unterwegs bin“ dann wird sich das Elektroauto durchsetzen und das kann große Folgen für die Werkstätten haben, die momentan größtenteils nur auf den Verbrenner eingestellt sind.

Weniger Bauteile weniger Wartung

Elektroautos haben weniger Bauteile und damit fallen auch geringere Wartungskosten an. Die Auswirkungen werden noch auf sich warten lassen und sollten „bis zum Jahr 2030 kaum spürbar sein“. Trotzdem werden„ in 20 Jahren die Anforderungen an die Betriebe andere sein“ und darauf bereiten sich die Verbände bereits vor.

Untersuchung zeigt drastischere Auswirkungen

Eine Untersuchung der Hochschule Esslingen und der Hochschule Nürtingen-Geislingen (Entwicklung der Beschäftigung im After Sales) hat drei Szenarien analysiert und geht bis 2025 von einem Beschäftigungsrückgang  zwischen 2,9 und 7,7 Prozent aus. Die Spanne ergibt sich durch die verschieden analysierten Ausbreitungstempi der Elektromobilität. Allerdings relativieren sich die Zahlen, wenn man davon ausgeht, dass der PKW Bestand wie erwartet ansteigt. Nimmt die Zahl der Fahrzeuge jährlich um 0,4 Prozent zu, kommt man im perfekten Fall auf ein Beschäftigungsplus von 2,8 Prozent, bei dem Szenario der schnellsten Ausbreitung der eMobiliät hat man mit einem Minus von 3,3 Prozent rechnen.

Szenarien

Die Szenarien gehen von Anteilen von Elektroantrieben (inklusive Vollhybride) von 25, 50 und 75 Prozent bis 2025 aus. Für die ersten beiden Szenarien gehen die Forscher Prof. Dr. Norbert Schreier und Prof. Dr. Willi Diez von  Umsatzrückgängen im Kraftfahrzeuggewerbe von 2,4 Prozent aus.

Sharing?

Laut der Studie „Shell PKW-Szenarien bis 2040“ werden „wichtige Kennziffern wie Pkw-Motorisierung, Pkw-Bestand und Pkw-Fahrleistungen“ bis in die 2020er Jahre den Höhepunkt erreichen und dann „auf dem Niveau des letzten Jahrzehnts“ bleiben. Laut der Studie wird die „Personenverkehrsleistung des motorisierten Individualverkehrs bis 2030 weiter“ zunehmen. Jedoch wird es auch „neue gemeinsame Nutzungsformen wie Carsharing und andere neue Mobilitätsdienstleistungen“ geben und die könnten einen weiteren Anstieg der zugelassenen Fahrzeuge, besonders in Großstädten, mindern.

Fortbildung Kfz-Mechatroniker

Werkstattmitarbeiter müssen sich zusätzliche Qualifikationen für die Reparatur an eFahrezugen aneignen und auch die Werkstätten benötigen zusätzliche Ausrüstung. KFZ Mechatroniker müssen in Zukunft die Fortbildung „Elektrotechnisch unterwiesene Person für Arbeiten an Kraftfahrzeugen mit Hochvolt-Systemen“ machen um sich an „Arbeiten am spannungsfreien Fahrzeug (nicht Hochvoltsystem)“ und „Messen, Diagnostizieren an Fahrzeugen unter Spannung ohne Gefahr der Berührung von Hochvolt-Teilen“ wagen zu dürfen. Erst mit weiteren Fortbildungen darf man sich dann an alle Teile des Wagens wagen.

Ausrüstung Werkstatt

Die Studie „E-Mobilität in der Kfz-Werkstatt“ von Schaufenster Elektromobilität geht von einmaligen Investitionskosten in Höhe von ca. 10.000 € (Basisvariante) und 48.000 € (Kompetenzcenter) aus. Die Basisvariante umfasst einen Arbeitsplatz für Wartung und Reparatur, das Kompetenzcenter vier Arbeitsplätze. Die jährlichen Kosten betragen im Durchschnitt 2.500€ in der Basis Variante und bis zu 7.500 € für das Kompetenzcenter. Bei einem Stundenverrechnungssatz von 65€ dürfte die Kostensteigerung unterhalb von 50 Cent liegen und tragbar sein.

Geringerer Umsatz

„Reparaturen von BEV Fahrzeugen sind um 63,0 bzw. 66,7 % deutlich seltener notwendig.“ Schaufenster Elektromobilität

Nicht nur die Kosten für die Einrichtung der Werkstatt werden die Besitzer belasten. Auch reduziert sich die Zahl an den lukrativen Ölwechseln und anderen Tätigkeiten. Die Autoren der Studie schätzen, dass der Verschleiß um ein Drittel abnimmt. Das liegt an der Energierückgewinnung durch Rekuperation, was den Verschleiß an den Bremsen verlangsamt. Laut Schaufenster Elektromobilität ergibt sich ein Rückgang der Arbeitswerte gegenüber Verbrennern um rund 13%.

Fazit

Es ist bereits ein Rückgang im Kfz-Gewerbe erkennbar, von 2000 bis 2013 ging die Anzahl der Arbeitnehmer bereits von 526.000 auf 460.000 zurück. Je nach Szenario können weitere Einbußen auf die Betreiber und die Mitarbeiter zukommen. Die Autoren der Studie „Entwicklung der Beschäftigung im After Sales“ empfehlen die Erschließung neuer Geschäftsmodelle, wie zum Beispiel, die Einrichtung und Wartung von E-Ladesäulen beim Kunden vor Ort oder Pflege und Wartung von Car Sharing Angeboten. Auch Leihfahrzeuge für Langstreckenfahrten, wie den Urlaub, vorzuhalten, könnte eine Geschäftsidee sein. Jedoch sind diese Modelle auch mit hohen Weiterbildungskosten oder Investitionen in Verbrenner verbunden. Die Verbände und Besitzer müssen den Wandel vorrauschend angehen und sich vorbereiten. Der Verbrenner wird nicht von einen auf den anderen Tag verschwinden, aber der Wandel wird kommen und Einschnitte mit sich bringen. Die Erschließung neuer Geschäftsmodelle ist für kleine Werkstätten ein schwieriges Unterfangen, aber auch ein „muss“.  Investitionen in die Fähigkeiten der Mitarbeiter werden wichtig und sollten so früh wie möglich gemacht werden. Es gilt den Wandel aktiv mitzugestalten und sich frühzeitig als Werkstatt des Vertrauens für jeden Autobesitzer zu profilieren.

 

2 KOMMENTARE

  1. Die Auswirkungen des autonomen Fahrens werden mMn drastisch unterschätzt. Wenn man davon ausgeht, dass ein autonomes Carsharingfahrzeug fünf Besitzautos ersetzt und sich im kommenden Jahrzehnt praktisch flächendeckend ausbreitet, so wird selbst eine Verdoppelung der Personenkilometer bei 60% weniger Fahrzeugen möglich. Studien gehen von einer Erhöhung der Personenkilometer von 20% bis 80% aus. Damit sind >60% weniger Jobs in den Werkstätten schon absehbar.

    • Daran habe ich beim Lesen des Artikels auch gedacht. Ich würde jedenfalls nicht darauf wetten, dass die Anzahl Fahrzeuge in Zukunft steigen wird. Eher das Gegenteil kann ich mir vorstellen. Wenn Carsharing und/oder sogar autonomes Fahren kommt, wird die Anzahl dramatisch sinken. Wenn man bedenkt, dass so gut wie alle Fahrzeuge deutlich länger stehen als fahren, wäre das hinsichtlich Effizienz ein Unterschied wie Tag und Nacht.

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