Vermutet haben wir es schon lange, jetzt belegt eine Studie, dass in Sachen Angebot, Wahlmöglichkeiten und Marketing bei Elektroautos bei den Unternehmen verhältnismäßig wenig geschieht. Das liegt zu einem an dem sehr geringen Angebot an Elektroautos; 20 Autos mit Elektroantrieb stehen 417 Verbrenner gegenüber, zu anderem auch an der Bereitstellung, die in hohem Maße verbesserungswürdig ist.

Was sagt uns die Studie der europäischen Verkehrsorganisation Transport & Environment. Sie gibt Einblicke warum die eMobilität in Deutschland nicht so Recht ins Laufen kommt. Verschiedene Punkte, beeinflusst durch die Hersteller und die Politik, sorgen für den geringen Absatz, trotz stolzer Präsentationen auf der IAA.

Punkt 1 – fehlende Fertigungskapazitäten

Laut der Studie halten die Hersteller oft zu geringe Fertigungskapazitäten für ihre Elektrovarianten bereit. Diese Fehlplanungen führen zu hohen Wartezeiten bei Elektroautos. Das bewirket auch, das 2016 von 3,35 Millionen neu zugelassenen Pkw gerade mal 11.400 Elektroautos waren. Die Kaufprämie hilft bei Lieferengpässen wenig und so sind nur 0,7 Prozent der Neufahrzeuge elektrisch angetrieben.

Punkt 2 – Marketing & Werbeausgaben? Fehlanzeige

So richtig wollen die Automobilhersteller noch nicht mit ihren Elektroautos auf den Markt drängen. Verschwindend geringe Werbeausgaben für die Stromer zeigen, der Verbrenner wird lieber beworben. In der Welt erschien dazu eine Vergleich von Ebiquity. Demnach geben die Automobilhersteller einen sehr geringen Teil ihres Werbebudgets für Elektrofahrzeuge aus.

In den 14 untersuchten europäischen Ländern lagen die Investitionen in Print- und Fernsehwerbung in den letzten 6 Jahren bei durchschnittlich 1,6 Prozent, mit leichter Tendenz nach oben auf in 2016 2,26 Prozent. Vergleich gefällig? Für SUVs wurden im gleichen Zeitraum 19 Prozent der Budgets ausgegeben.

Von Land zu Land unterschiedlich

Spitzenreiter? Natürlich Norwegen und das mit Abstand. Deutschland schneidet mit 2,65 Prozent deutlich oberhalb des Durchschnitts ab, jedoch ist der absolute Spitzenreiter mit 6,93 Prozent deutlich höher angesiedelt. In Norwegen wird der Kauf von Elektroautos auch noch höher subventioniert und das führt dazu, dass im Juni wurden mehr Fahrzeuge mit Elektromotor zugelassen wurden als reine Verbrenner. Der Anteil stieg auf insgesamt 53 Prozent (OFV).

Welcher Hersteller investieren am meisten?

  1. 7,5 Prozent – Nissan
  2. 6,36 Prozent – BMW
  3. 6,26 Prozent – Renault

Schlusslichter sind Ford mit 0,01 Prozent, Audi (0,02 Prozent) und Volvo (0,04 Prozent). Andere Hersteller wie Opel, VW und Mercedes haben Werte zwischen 0,49 Prozent und 2,1 Prozent.

Jedoch zeigen die letzten Monate eine  Verschiebung, Volkswagen erhöht seine Ausgaben für E-Autowerbung und hat in den ersten sechs Monaten 2017 bereits die Ausgaben auf  8,0 Prozent erweitert.

„Obwohl E-Mobilität sowohl in der Automobilbranche als auch in den Medien und in der Öffentlichkeit ein aufmerksamkeitsstarkes Thema ist, scheint die Automobilindustrie bisher nur vereinzelt E-Autos auch werblich fördern zu wollen“, Ebiquity-Manager Hellmut Fischer

Welche Autos werden beworben?

Drei? Drei! Ja nur drei Autos wurden im ersten Halbjahr 2016 mit Werbeausgaben gefördert, nämlich der BMW i3, der Renault ZOE und der Nissan LEAF. Nissan hatte die höchsten Ausgaben mit 7,65 Millionen Euro, BMW investierte immer noch 1,21 Millionen Euro, Renault gab 734.000 Euro aus.

Punkt 3 – Förderung? Kompliziert, zu niedrig & ohne Werbung

„Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, mit Hilfe eines Umweltbonus den Absatz neuer Elektrofahrzeuge zu fördern.“(Bafa)

Angenommen wurde die Kaufprämie in Höhe von bis zu 4000 Euro sehr schlecht. In anderen Ländern ist der Anreiz deutlich höher gesetzt. Das Paradebeispiel Norwegen bietet bis zu 11.000 Euro für den Kauf eines Elektroautos. Damit können die Mehrkosten deutlich besser kompensiert werden.

Um den Vorwurf auszuräumen, man würde Luxusspielzeuge subventionieren, gibt es eine Preisobergrenze von 60.000 Euro netto. Leider wurde die Kaufprämie wenig beworben, nur die Negativ Schlagzeilen, der schlechten Annahme, gingen durch die Medien.

Wenn man die Prämie beantragen will, muss man sich erst erkundigen, ob der Wagen, den Sie sich zulegen möchten, überhaupt förderungswürdig ist. Dafür gibt es eine Liste. Danach muss man den Antrag des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle stellen. Dieser kann nur elektronisch erstellt werden und wird nicht schriftlich angeboten. Der Verkäufer des Automobils übernimmt diesen Antrag nicht zwangsläufig. Für die Antragsstellung braucht man dann noch die Kopie des Kaufvertrages, welches man im Online Portal hochladen muss. Hierbei ist wichtig, dass auf der Rechnung des Händlers der Vermerk ist, dass dieser seinen Anteil der Prämie bereits abgezogen hat. Vor der Auszahlung muss man noch eine Kopie der Rechnung und der Zulassungsbescheinigung nachreichen. Die Prämie erhält man nur, wenn man das Auto länger als 9 Monate behält. Im Endeffekt defintiv kein einfacher Weg für eine schnelle Beantragung einer Förderung. Man muss es in diesem Fall schon wollen.

Wie kann eine erfolgreiche Förderung aussehen?

In Norwegen werden Elektroautos in einem anderen Rahme gefördert. Nicht nur die Förderung von bis zu 11.000€ schlägt zu Buche. Auch fallen keine Import- oder Mehrwertsteuer Kosten beim Kauf an. Elektroautos dürfen weiterhin in Großstädten kostenlos Parken und Busspuren benutzen. Eindeutige Vorteile für den Kauf eines solchen KFZ.

IAA – Änderung der Strategie? Angebot, Wahlmöglichkeit und Marketing?!

Die IAA dient als große Werbeplattform für die Hersteller und die deutschen Automobilhersteller wollen sich als Innovationsführer der Welt präsentieren.

BMW – Angebot, Wahlmöglichkeit und Marketing

BMW stellt auf der IAA ein Elektroauto-Viertürer vor und gibt die Meldung heraus, dass bis 2025 25 elektrifizierte Modelle den Markt bereichern werden. Weiterhin wurde der i3s und der i8 in überarbeiteter Form gezeigt.

„Der Trend zur Elektromobilität ist unumkehrbar, aber er wird über die Welt unterschiedlich und vor allem unterschiedlich schnell erfolgen. Märkte und Kunden auf der ganzen Welt werden noch lange sehr unterschiedliche Antriebe nachfragen. Deshalb haben wir uns als weltweit einziger Hersteller entschieden, dass wir ab 2020 in allen Klassen Autos aller Antriebe – je nach Marktwunsch – anbieten können: moderne, effiziente und saubere Verbrenner, Plug-in Hybride oder mit vollelektrischem Batterieantrieb.“ Klaus Fröhlich, Mitglied des Vorstands der BMW AG

Angebot, Wahlmöglichkeit und Marketing

  • Ob auch die Werbeausgaben deutlich erhöht werden? Wahrscheinlich schon. Der i3s zum Beispiel, eignet sich gut für eine Vermarktung. Der neue i8 spricht wahrscheinlich eine zu kleine Zielgruppe an.
  • Ob BMW seinen Kunden auch die Beantragung des Fördergeldes generell abnimmt? Ein Schritt in die richtige Richtung wäre es.
  • Das Angebot mit 25 elektrifizierten Modellen würde das Angebot und die Wahlmöglichkeit definitiv deutlich bereichern. 8 Jahre Wartezeit sind jedoch noch ein Brett. Momentan als reiner Stromer bei den Bayern gilt nur der BMW i3, andere Modelle wie der 5er, 7er oder auch der BMW i8 bieten einen kombinierten Antrieb. Ab 2019 wird der elektrifisierte MINI auf den Markt kommen, ein Jahr später der Kompakt SUV X3.

Mercedes- Angebot, Wahlmöglichkeit und Marketing

Mercedes-Benz hat den EQA vorgestellt und feiert die Weltpremiere als zweiten Teil der Baureihe neben dem SUV Generation EQ . Angetrieben von zwei Elektromotoren soll eine Leistung von 200 Kilowatt Lerreicht werden, der die Kraft durch einen permanenten Allradantrieb auf die Straße bringt. Eine Lithium-Ionen-Batterie mit Pouch-Zellen soll mit 60 Kilowatt den Strom liefern.

„Bis 2022 wird Mercedes‑Benz Cars mehr als zehn vollelektrische Fahrzeuge auf dem Markt haben. Und das Mercedes-Benz Concept EQA belegt, dass wir es ernst meinen mit der Elektromobilität im gesamten Portfolio.“ Dieter Zetsche

Angebot, Wahlmöglichkeit und Marketing

  • Ob die Werbeausgaben deutlich erhöht werden? Wahrscheinlich erst in den nächsten Jahren, wenn die ersten Modelle auf den Markt kommen.
  • 10 Modelle bis 2022. Ambitionierte Ziele, vor allem da Mercedes nach der Einstellung der elektrischen B Klasse, aktuell keinen reinen Stromer auf dem Markt hat. Das Angebot und die Wahlmöglichkeit der Kunden wird auch hier nur langsam schrittweise erhöht. Hier müssen Kunden also noch warten.

Fazit zum Thema Angebot, Wahlmöglichkeit und Marketing

Die Marketing Ausgaben für die Elektromobilität sind lächerlich gering, jedoch hat dies beim Thema Erfolg nicht immer etwas zu bedeuten. Tesla hat seine 400.000 Vorbestellungen nämlich ohne Ausgaben in Werbemaßnahmen erreicht. Ob die deutschen Hersteller einen ähnlichen Hype herstellen können wie die Kalifornier wage ich jedoch zu bezweifeln.

Das Angebot der Hersteller wird erst in den nächsten Jahren bis 2025 merklich steigen, sodass Angebote und Wahlmöglichkeiten erst dann den Kunden eine Wahlmöglichkeit liefern werden. Die Studie spiegelt für mich das wieder, was ich bereits vermutet hatte. Die Unternehmen bewerben ihre kleinen Elektroerfolge nicht über die Maßen, werden dies wahrscheinlich erst tun, wenn sie mit ihren Automobilen den Massenmarkt erobern können und wollen. Die IAA ist in diesem Zusammenhang nur ein Schaulaufen, da die Konzepte erst in den nächsten Jahren wirklich auf den Straßen wiederzufinden sein werden.

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