Die IAA ist vorbei und dem Diesel wird wohl langsam der Hahn abgedreht. Auf der diesjährigen Automobilmesse in Frankfurt wurden verschiedene Antriebsarten präsentiert und die Alternativen zum derzeitigen Diesel sind eindeutig. Meistens Strom und ein bisschen Gas. Doch wie schnell sind diese Autos erhältlich? Alternativen bei der Wahl des Antriebs beim heutigen Autokauf sind leider rar. Doch woran liegt das?

Euro-6d-Norm? Lieber abwarten

Fest steht, an die Euro-6d-Norm trauen sich die meisten Hersteller nicht so richtig dran. Seit Anfang September ist die Abgasnorm für bestimmte Modelle Pflicht. Jedoch meldet das Kraftfahrt-Bundesamt „keine Anträge“ (Stand 6. September), die zur Prüfung der Typgenehmigung vorliegen und das heißt im Klartext, dass nach aktuellem Stand bislang kein Dieselauto mit dieser Norm zugelassen worden sind.

Die Euro-6d-Norm ist die erste Abgasnorm die nicht nur im Labor, sondern auch in Straßentests standhalten muss und sie wird von der Automobilindustrie nicht genutzt. Im konkreten Fall bedeutet die neue Norm, dass die Grenzwerte für Stickoxide nicht nur im Labor, sondern auch unter realen Fahrbedingungen getestet werden müssen und auch eben, erfüllt werden müssen. Dies funktioniert in einer ein- bis anderthalbstündigen Testfahrt,  bei der verschiedene Bedingungen, wie sportliche Fahrweisen, sowie Bergfahrten getestet werden und ein mobiles Messgerät die Werte aufnimmt. Die CO2 Werte werden weiterhin im Labor genommen.

Für Typzulassungen neuer Modelle ist die Messung der Real Driving Emissions Pflicht. Nur bewegt dass die Hersteller anscheinend nicht, Autos mit dieser Abgasnorm zur Verfügung zu stellen und das bedeutet, dass potenzielle Käufer solche Fahrzeuge momentan einfach nicht erwerben können. Das Bundesumweltministerium forderte bereits die Hersteller auf, sich mit der Norm Euro-6d „zu beeilen“. Wir können nur abwarten wie lange das noch dauert.

Hersteller machen den Gashahn wieder auf

Trotz des geringen Interesses der Verbraucher an Erdgasfahrzeugen, sehen Hersteller eine Alternative im Antrieb mit Erdgas. Der Heilsbringer für die Diesel Probleme? Laut VW definitiv, da der Kraftstoff die besser Umweltbilanz aufweißt (18 Prozent weniger CO2 als Benziner | 90 Prozent weniger Stickoxide als Diesel). Ende des Jahres wird bei VW der Polo als CNG-Version erscheinen und wie bei Seat mit einem 1,0-Liter-Dreizylinder (90 PS) angeboten.

Auch Audi und Opel sehen eine Alternative im Gas. Besonders Flotten und der Fuhrpark von Unternehmen könnten potenzielle Kunden anlocken. Geringe Verbrauchswerte und bessere Emissionswerte, sind bei Audi der ausschlaggebende Punkt. Bei Opel wird der Zafira Tourerund der Astra auf Erdgas umgerüstet.

VW – sehr langsam aber ganz sicher Richtung Strom

Bereits beim Vorabend großer Messen präsentiert VW Neuheiten einem ausgewählten Publikum, das ist eine „alte“ Tradition. Nach dem Start des Dieselskandals vor 2 Jahren mussten dieses Mal einige Neuerungen und Versprechen her und so wurde erneut der Kurswechsel ausgerufen. Die Digitalisierung ist bei den Wolfsburgern ganz groß auf die Fahne geschrieben worden und die Elektromobilität wird die Zukunft bilden. Auf der Suche nach der neuen Meldung?

Vollgas oder Standgas?

Auf der IAA hat Volkswagen leider fast nur Modelle der guten alten Zeit und Konzepte gezeigt. Das Versprechen ist, dass man bis ins Jahr 2025 über alle Marken 80 neue Elektroautos auf den Markt bringen wird. Also anscheinend leider mehr Versprechen und große Worte, anstatt Taten. Ein Elektroauto was sie direkt kaufen können, mit einem eindeutigen Preisschild, suchen Sie vergebens. Nur der eGolf könnte dem Käufer auffallen, der Rest sind Konzeptstudien, die sie leider nicht kaufen können. Aber bald.

50 Fahrzeuge elektrisch, 30 Plug-in-Hybrid.

Kurz gerechnet und man kommt auf vier bis fünf Fahrzeuge pro Hersteller des Volkswagen Konzerns (mit MAN und Scania). Bei diesen Zahlen wurde die bisherige Prognose fast verdreifacht. Sehr ehrgeizige Ziele, die der oberste VW-Manager Müller dort ausruft. Und das obowhl man auf der Messer nur die Visionen I.D., I.D. Buzz und Sedric gezeigt hat. Die leider noch nicht Produktionsreif sind, erst in den kommenden Jahren den Markt erreichen werden.

Premieren wurden trotzdem gefeiert. VW zeigte seinen I.D. Crozz II und Skoda die Studie Vision E. Genauer hinterfragen sollte man das Spektakel jedoch nicht, denn Weltneuheiten sind die beiden Fahrzeuge auf keinen Fall.

Der VW hat eine neue Farbe erhalten, nämlich rot und es wurden einige Designanpassungen geleistet (kantigere Front , Lichtkante zwischen den Scheinwerfern, neue Felgen). An der Technik gab es keine Neuerungen, zwei Elektromotoren mit 306 PS treiben das Fahrzeug per Allradantrieb an. Auch noch neu ist die Sprachsteuerung für die vollautonome Fahrfunktion: „Hallo I.D., fahre bitte autonom!“ und auf einmal ist das Lenkrad weg und der Computer fährt das Fahrzeug von alleine. Jedoch wäre dies mit der heutigen Gesetzgebung gar nicht möglich, wahrscheinlich kommt die Erlaubnis für weitere autonome Fahrstufen erst zur Veröffentlichung des I.D. Crozz II 2020.

Bei Skoda lief das Spiel ähnlich. Neuer Kühlergrill und fertig ist die Premiere. Die technischen Daten können Sie oben beim I.D. Crozz nachlesen, Baukasten Prinzip sei Dank. Markstart für beide ist wohl erst 2020.

Mercedes – Morgen kommt der Stromer – oder doch übermorgen?

Auf dem Pariser Autosalon wurde vor einem Jahr das Concept EQ vorgestellt. Ein EQ-Modell im Kompaktsegment wurde nun auf der IAA gezeigt und zeigt wo Mercedes in Zukunft hin will. Daimler-Chef Dieter Zetsche verspricht, dass man „bis 2022 mehr als zehn vollelektrische Fahrzeuge auf dem Markt haben wird“. Und wieder sehen wir ehrgeizige Aussagen der Hersteller. Das erste Serienmodell der EQC, soll ab 2019 in Bremen vom Band laufen. Momentan hat Mercedes jedoch keinen einzigen Wagen auf dem Markt, der rein elektrisch betrieben wird. Mercedes-Benz stellte die Produktion der B-Klasse (B 250 e) im 3. Quartal 2017 ein.

BMW – i Vision Dynamics – Tesla angreifen aber nicht vor 2021

Im Mittelpunkt des IAA Auftritts von BMW war die Elektro-Limousine i Vision Dynamics (i5). Das Gran Coupe kann eines Tages Tesla Model S & Co das Fürchten lehren. Jedoch wahrscheinlich nicht vor 2021. BMW hat die Vision mit 600 Kilometer Reichweite angegeben und die sollte 2021 auch realisierbar sein. Bis 2025 will BMW 25 elektrifizierte Modelle im Angebot haben, 12 davon rein elektrisch. Bisher ist nur der i3 rein elektrisch, mehrere Modelle gibt es als Plugin Hybrid.

Der i5 geht optisch eindeutig Richtung Tesla Model S und ist ein toller Ausblick, betrachtet man die gewöhungsbedürftige „Design Studie“ i3. Auch wenn der i3 sich bereits auf dem Markt etabliert hat, sind solche Ausblicke etwas Schönes für die Zukunftsplanung des Automobilkaufs. Leider bisher nur Ausblicke.

Fazit Alternative Diesel – dt. Hersteller auf dem langsamen Weg Richtung Zukunft-Strom

Die deutschen Automobilhersteller gucken sich nach Alternativen um, damit sie dem Diesel aus dem Weg gehen können. Komisch ist, dass die Hersteller sich nicht an die Euro-6d-Norm trauen und die Verbraucher im Regen stehen lassen. Dabei wurde doch genau diese Norm als Rettung von der Politik und der Industrie präsentiert.

Ob Gas eine Alternative ist? Ungewiss, hier ist das Lade Netz noch schlechter als bei Elektroautos, jedoch hat man auch die Möglichkeit zwischen Benzin und Gas zu wechseln.

Die angegebenen Veröffentlichungsdaten der Automobilhersteller für  ihre Elektroautos liegen noch in ferner Zukunft. Ob 2022 oder doch erst 2025. Mindestens 5 Jahre bis man mit Tesla in Konkurrenz treten kann, sind eine lange Zeitspanne. Welche Modelle die Kalifornier bis dann auf dem Markt haben, wird interessant. Der Anschluss ist erreichbar, aber nicht direkt greifbar. Oder schätze ich die Situation falsch ein? Welche Alternativen sollten die Hersteller nutzen? Euro-6d-Norm erfüllen? Gas beleben? Auf Elektroautos in 5 Jahren vertrauen?

2 KOMMENTARE

  1. Der Diesel ist tot – mit und ohne Euro 6d. Und der Benziner wird in ein paar Jahren folgen – spätestens 2023 ist es vorbei für die Verbrennungsmotoren – inkl. Erdgas -im PKW. Alles, außer voll auf E-Autos zu setzen, ist pure Geldverschwendung.

    • Das sehe ich ähnlich. Selbst wenn die Leute im eigenen Land dieser Technik nach wie vor skeptisch gegenübertreten, müssen die Riesenmärkte China und USA bedient werden können. Sollte die Ladeinfrastruktur mal ordentlich ausgebaut werden, lässt die Skepsis vielleicht auch etwas nach.

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