Adaptive City Mobility (ACM) präsentiert das CITY eTAXI

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Adaptive City Mobility (ACM) präsentiert das CITY eTAXI
Quelle: Adaptive City Mobility

Auf der diesjährigen CeBit hat Adaptive City Mobility (ACM) das CITY eTAXI vorgestellt. Das Konzept beinhaltet dabei nicht nur ein Elektroauto für den Innenstadt-Betrieb, sondern ein ganzes Ökosystem. Dazu gehört auch ein Akkuwechselsystem, bei dem die Batterieakkus an Wechselstationen blitzschnell getauscht werden können. So sollen in Städten neue Wege für eine zukunftsfähige Elektromobilität eröffnet werden.

Wer oder was ist ACM?

Adaptive City Mobility – kurz ACM – ist ein Gemeinschaftsprojekt des Förderprogramms „IKT für Elektromobilität III“ und wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unterstützt. Im Rahmen dieses Förderprojektes wird ein emissionsfreies eMobilitätssystem entwickelt. Das übergeordnete Ziel dabei ist, eine ressourcenschonende, umweltfreundliche und wettbewerbsfähige Welt der Personenbeförderung in Städten aufzubauen.

Am Projekt beteiligt sind namhafte Firmen. Darunter: Ametras rentconcept, das Batteriemontagezentrum BMZ, EuroDesign, Fraunhofer ESK, Green City Projekt, PEM/RWTH Aachen, Roding Automobile, Siemens, Streetscooter und Plexiweiss.

Adaptive City Mobility stellt das CITY eTAXI vor

Keine Abgase, kein Lärm, klein und wendig, emissionsneutral, ressourcenschonend, mit maximalem Fahrspaß. Mit diesen Adjektiven beschreibt ACM das CITY eTAXI. Das neu konzipierte Fahrzeug wirkt dabei den aktuellen Trends der Automobilindustrie entgegen: Während viele Hersteller auf immer größere und schnellere Fahrzeuge setzen, besticht das CITY eTAXI getreu dem Motto „Weniger ist mehr“ durch Einfachheit. Den Entwicklern zufolge soll es so die Nische urbaner und elektromobiler Leichtbaufahrzeuge im Feld zwischen Pkw und Zweiradfahrzeugen bedienen. Und seien wir mal ehrlich: Im stressigen Stadtverkehr reichen kleine und einfache Autos vollkommen aus, da müssen es keine überdimensionalen Luxuslimousinen sein.

Das CITY eTaxi ist 3,30 m lang, 1,66 m breit und 1,48 m hoch. Zum Vergleich: Die neue Generation des Smart Fortwo ist 2,74 m lang, 1,67 m breit und 1,55 m hoch. Das Leergewicht des E-Taxis beträgt 450 kg. Hinzu kommt allerdings noch die Akku-Einheit, die mit zusätzlich 102 kg ins Gewicht fällt. Zulassungstechnisch gesehen ist das CITY eTaxi deshalb analog dem Renault Twizy als Leichtfahrzeug der EG-Fahrzeugklasse L7E zu klassifizieren. Das vor allem für den Stadtbetrieb gedachte Fahrzeug erreicht dabei eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h.

ACM setzt bei dem CITY eTAXI auf eine hybride Karosseriebauweise, die aus Aluminium und Faserverbundstoffen besteht. Dies garantiert den Sicherheitsaspekt, trotz der leichten Bauweise. Während der Unterboden aus Aluminium wichtige Komponenten wie z.B. die Batterie aufnimmt, schützt die aufgesetzte Fahrgastzelle aus Faserverbundwerkstoffen die Fahrgäste. Apropos Insassen: das Taxi bietet Platz für zwei Passagiere sowie einen Fahrer, der vorne in der Mitte sitzt. Eine Sitzordnung, die es bereits bei dem Elektroauto mia gibt. Auch ein Kofferraum mit 360 Litern Fassungsvolumen ist mit von der Partie. Trotz der einfachen Bauweise ist das Taxi multifunktional einsetzbar und bietet auch für Transportfahrten genug Platz: Entfernt man die hintere Rücksitzbank, so schafft man Platz für eine Euro-Palette.

Designtechnisch ist das Auto funktional gestaltet. Besonders ist allerdings die hohe Glasfront, die aus bodentiefen, transparenten Kunststofffenstern besteht. Für dieses neue Türkonzept spricht vor allem der Gewichtsvorteil sowie das völlig neue Fahrgefühl.

Akkus lassen sich in Nullkommanichts austauschen

Adaptive City Mobility (ACM) präsentiert das CITY eTAXI
Quelle: Adaptive City Mobility

Bewegt wird das CITY eTaxi von sechs Batterieakkus, die im Unterboden des Fahrzeugs angebracht sind. Das Besondere dabei ist: Man muss das Fahrzeug nicht zwingend zum Laden an die Steckdose zu hängen, denn das CITY eTaxi verfügt über ein Akkuwechselsystem. Das heißt die Akkus können an dafür vorgesehenen Wechselstationen ausgetauscht werden. Durch eine intelligente Infrastruktur von Wechselstationen könnte das Auto so theoretisch 24/7 fahren. Mit einer Akkuladung kommt das Auto circa 120 km weit.

Wie genau soll dieser Akkuwechsel aber jetzt funktionieren? Laut Entwicklern besteht das Batteriesystem des CITY eTaxi aus einzelnen Modulen, die zu einem Gesamtbatteriesystem gebündelt sind. Sind Batterien nun leer, können diese wie Schubladen per Hand aus dem Unterboden des Fahrzeugs entnommen werden. Nachschub gibt es dann an den dafür vorgesehenen Akkuwechselstationen. Nach einer Authentifizierung kann der Fahrer auf die verschließbaren Fächer der Stationen zugreifen und seine alte, leere Batterie gegen eine neue, aufgeladene Batterie eintauschen.

Aber Moment mal: Gab es die Idee eines Batteriesystems mit Akkuwechselstationen nicht schon mal? In der Tat. Der Ex-SAP-Manager Shai Agassi gründete 2007 das Unternehmen Better Place, die sich genau dies auf die Fahne schrieben: Eine flächendeckende Infrastruktur für den Austausch von Batterien für Elektrofahrzeuge aufzubauen. Das Projekt scheiterte jedoch und die Firma musste 2013 einen Insolvenzantrag stellen.

Ein autarkes eMobility Ökosystem

Auf was in diesem Zusammenhang noch hingewiesen werden muss, ist, dass Adaptive City Mobility nicht nur auf die Entwicklung des CITY eTaxis, also eines neuen Elektroautos, reduziert werden darf. Hinter dem Projekt verbirgt sich eine ganze Systemlösung im Feld der Elektromobilität, bei dem das CITY eTAXI lediglich ein Baustein ist. Das gesamte Ökosystem bilden so zusammengenommen die Fahrzeuge mit manuell bedienbarem Batteriewechselsystem, die dazugehörigen Akkuwechselstationen, Betreiber, Energieversorger und Endnutzer. Das System wirkt somit den größten Problemen der Elektromobilität – lange Ladezeiten, geringe Reichweite, fehlende Infrastruktur – entgegen. Aufgrund der Probleme, reicht es heute nicht mehr nur Einzellösungen zu entwickeln. Denn nur ein autarkes Ökosystem kann als Lösung dienen.

Die Vorteile des ACM liegen für Paul Leibold, dem Initiator des Projekts, klar auf der Hand: „Man kann ACM auch als einen Ansatz zur Lösung des Henne-Ei-Problems bezeichnen: Derzeit heißt es immer seitens der Kommunen, wir investieren noch nicht großflächig in Infrastrukturen, da ja noch niemand Elektrofahrzeuge fährt. Auf der anderen Seite heißt es von den Anwendern, nein, wir kaufen uns noch kein Elektroauto, da a) zu teuer und vor allem b) es gibt ja noch keine Infrastruktur. Das ACM-Projekt bringt nun seine eigene Infrastruktur mit und funktioniert damit losgelöst von Diskussionen zu den hohen Investitionskosten der Elektromobilität – eben als autarkes System.“

Noch in diesem Jahr soll das CITY eTAXI seinen Testbetrieb in München aufnehmen. Wir bleiben an diesem spannenden Thema dran und werden weiter berichten.

3 KOMMENTARE

  1. Wer sich schon einmal mit einem Taxifahrer über seine gesundheitlichen Probleme unterhalten hat, der wird bestätigen, das System wird es nie in die Praxis schaffen. Wer soll die schweren Batterien anheben und tragen?

    Tesla entwickelt einen Roboterarm zum Ein- und Abstecken an der Ladesäule und Deutschland legt ein Paar Arbeitsschutzhandschuh bei.

    • In der Tat, das kann kein Dauerzustand sein! Die Hersteller schreiben „Der Akkuwechsel kann per Muskelkraft oder mit entsprechenden mechanischen Hilfsmitteln durchgeführt werden.“ Wie genau die Hilfsmittel aber aussehen wird nicht näher beschrieben.

  2. Viele neue Gesundbeter bohren an dieser Stelle. Am heutigen Problem zu wenig Energie mitnehmen zu können
    auf die Reise mit einem Elektroauto. Der Elektromotor ist heute Stand der Technik, aber eben wie auf langer Strecke speisen ? Das Aufladen auswärts, der immer noch zu schweren und teuren Batterien mit bescheidenem
    Aktionsradius, ist noch nicht das Ei des Kolumbus. Flüssiger Pflanzensaft , Gas oder Wasserstoff lösen dieses Problem eher als Akkuwechsel mit einem Kran.

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